Opfer von Tel Aviv möchte Jugendzentrum verklagen

Ein 15-jähriger Bursche, der bei dem Anschlag auf eine lesbischwule Jugendgruppe in Tel Aviv im August dieses Jahres verletzt wurde, möchte Aguda, die Organisation, die das Zentrum betreibt, auf umgerechnet 2,7 Millionen Euro verklagen. Das berichtet das israelische Newsportal „ynet“.

Bei dem Angriff schoss ein schwarz gekleideter Mann ohne Vorwarnung in eine Jugendgruppe, die sich im Keller des Zentrums getroffen hatte. Dabei wurden eine 17-Jährige und ein 24-jähriger Gruppenleiter getötet. Jonathan Buks war einer der dreizehn Verletzten: Ihn trafen die Kugeln des noch unbekannten Attentäters in die Beine, er wurde wegen schwerer innerer Verletzungen behandelt. Zur Zeit ist er in Rehabilitation, er hat noch immer Sprachschwierigkeiten.

Shaul Gannon, der Leiter des Jugendzentrums, glaubt, dass die Klage nicht Jonathans Idee war: „Wir verstehen, dass die Klage für die Familie ein wichtiger Teil ist, um mit der ganzen Sache umzugehen. Dieser Bursche wurde vom Staat verlassen und braucht Hilfe. Ich kann ihm nur aus tiefstem Herzen Gesundheit und Liebe wünschen.“ Er betont aber, Aguda habe nicht das Geld, um die Klagesumme zu bezahlen. Ein anderer Leiter der Organisation fügt hinzu: „Ich glaube, er fürchtet sich wirklich vor der Zukunft und glaubt, Geld zu brauchen“.

Jonathan Bucks Anwalt Eitan Peleg glaubt, seine Klage wird nicht die einzige bleiben: „Ich bin mir sicher, das Lesben- und Schwulenzentrum war voll guter Absichten, aber wenn man sich eine solch hohe Verantwortung eingeht, muss man das Einverständnis der Eltern einholen.“ Allerdings wussten einige Eltern der Opfer nicht einmal, dass ihre Kinder homosexuell waren – und hätten es auch nie akzeptiert.

Peleg wirft dem Zentrum seine Politik der offenen Tür vor – „jeden Samstag, am gleichen Ort, zur gleichen Zeit, und ohne Überwachungskameras, Alarmknöpfe oder Fluchtwege. Wir sind alle Zeugen der steil ansteigenden Homophobie geworden“, so der Anwalt, „man kann anfangen, indem man die Türe zumacht“.

Und er gibt auch der Stadtverwaltung von Tel Aviv eine Mitschuld an dem Anschlag: „Die Stadtverwaltung hat nie eine Betriebsgenehmigung verlangt. Wenn sie das hätte, hätte sie auch automatisch Sicherheitsvorkehrungen vorgeschrieben.“

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