„Meine Mutter wurde verprügelt, weil ich schwul bin“

Für Aufregung sorgen die Aussagen des Entertainers Alfons Haider in der gestrigen ORF-Fernsehtalkshow „Willkommen Österreich“.

„Es ist mir lieber, ich werde auf meine Optik reduziert als auf meine Sexualität“, blickte Haider gegenüber den Moderatoren Christoph Grissemann und Dirk Stermann auf sein Coming Out zurück. Er habe deshalb „ein Jahr alle Jobs verloren“ und sei „vom ORF hinausgeschmissen worden“. Besonders tragisch: „Meine Mutter wurde geschlagen und hatte eine gebrochene Rippe, weil der Bua eine schwule Sau ist. Das ist auch dieses Land. Und dann muss ich mir zehn Jahre später vorwerfen lassen, ich hab‘ damit punkten wollen?“, ärgert sich der Entertainer auf Sendung. Ein Täter hielt damals die Frau, ein zweiter schlug zu. Von einer Anzeige hat die Polizei damals abgeraten – sie warnte vor Wiederholungstätern.

„Und warum?“, wollte Stermann wissen. „Weil wir in einem verlogenen, verschissenem Land leben“, machte Haider, der auch bei der GGG.at Wahl zur „Person des Jahres“ nominiert war, seinem Ärger Luft: „Wir leben in einem Land, wo wie in keinem anderen mitteleuropäischen Land, katholisch, so viele Frauen und Kinder verprügelt werden und diese Gfraster schauen alle zu. Wir leben in einem Land, wo Flüchtlinge wie Tiere behandelt werden und wieder ausgesiedelt werden. Das ist alles dieses coole, wunderbare Österreich. Aber ich liebe es trotzdem“, so Haider.

Im „Ö3 Wecker“, Österreichs größter Radio-Morgenshow sorgten diese Aussagen bei vielen Zuhörern für Empörung. Haider solle Österreich verlassen, hieß es, und auf der Homepage des Radiosenders sind Kommentare wie „Jeder, der die Ausländer so gerne hat, soll sie bitte zuhause aufnehmen!“ zu lesen.

Aber Haider bekommt von den Hörern des Senders auch viel Zustimmung: „Österreich ist verlogen. Man buckelt vor der Kamera vor einem Schwulen und hinter vorgehaltener Hand grenzt man sie aus, weil sie anders sind“, schreibt ein User auf der Ö3-Homepage. „Wir Österreicher, und da zähle ich mich auch dazu, nörgeln viel rum und etwas ‚Anderes‘ zu akzeptieren fällt doch jedem schwer. Wenn eine(r) homosexuell ist, ist sie oder er doch kein schlechterer Mensch und Gewalt an jemanden anderen auszuüben ist das Letzte“, schreibt ein anderer. User danken Haider „für Ihre klaren und treffenden Worte“ oder haben „großen Respekt vor Haider“, und meinen „das Land muss auch ein wenig Kritik vertragen können“.

In einem Interview, das Ö3 mit Haider nach der Ausstrahlung von „Willkommen Österreich“ geführt hat, steht der Entertainer zu seinen harten Worten. „Ich bin halt in dieser Sendung zum Teil provoziert worden, sehr gut, von einem hochkarätigen Moderator, und habe aber richtig reagiert, meiner Meinung nach.“ Er liebe Österreich, betont Haider: „Es ist irrsinnig schön in Österreich – aber man muss auch wissen, was nicht stimmt – und es stimmt einiges nicht.“