Heuer Pride-Parade in St. Petersburg

Nachdem jahrelang in Russland Lesben- und Schwulenparaden verboten und niedergeprügelt wurden, könnte es nun doch eine Lösung geben: Allerdings nicht in der Hauptstadt Moskau, sondern in der als liberaler geltenden Metropole St. Petersburg. Das wünscht sich zumindest der neue Menschenrechtsobmann der Stadt, der Schriftsteller und Dramatiker Alexej Kosyrew.

Er erklärt gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte allen Menschen das Recht auf friedliche Versammlung gibt: „Wenn man das Recht hat, warum sollte man die Parade nicht durchführen?“, will Kosyrew provokant wissen.

Dass eine solche Veranstaltung seit 2006 in Moskau jedes Mal behördlich verboten wurde, ist nach Meinung des Petersburger Menschenrechtsobmannes ein Nachteil für die Hauptstadt: „Warum sollte sie anders als jede andere öffentliche Versammlung sein?“ fragt er, wies aber darauf hin, dass die Aufrechterhaltung der Ordnung bei solchen Gelegenheiten essentiell sei.

Ein Datum für die Parade in St. Petersburg steht auch schon fest: Diese soll am 26. Juni 2010 stattfinden – dem gleichen Tag, an dem auch der Moskauer Paraden-Organisator Nikolai Alexejew seine Demonstration in der russischen Hauptstadt durchführen möchte.

Die Vorsitzende des Organisationskomitees der Petersburger Parade, Maria Efremenkova, hat ihren Moskauer Kollegen unterdessen schon um Unterstützung bei der Vorbereitung gebeten. Sie betont, dass man die Parade gesetzeskonform zwei Wochen vorher den Behörden anzeigen werde, das Recht auf friedliche Versammlung wolle man auf jeden Fall wahrnehmen. Sie ist stolz darüber, dass die Gay Pride Bewegung, die 2006 in Moskau begonnen hat, nun auch außerhalb der Hauptstadt Schwung gewinnt.