Kalifornischer Homo-Ehe-Richter soll selbst schwul sein

Konservative Gruppen in Kalifornien schreien auf: Wie der „San Francisco Chronicle“ berichtet, ist Vaugh Walker, jener Richter, der über die Homo-Ehe in dem US-Bundesstaat entscheidet, selbst schwul. Doch unter Lesben und Schwulen hält sich die Freude über den 65-Jährigen in Grenzen: Er gilt als konservativ und hat als Anwalt auch gegen schwul-lesbische Anliegen gekämpft.

Dabei ist die Homosexualität von Walker kein Geheimnis: Er selbst hat nie bestritten, schwul zu sein. Seine Neutralität in dem Fall stand bis jetzt auch immer außer Frage. Doch nun machen konservative Gruppen gegen den Richter mobil – es könnte ja sein, dass er in der Klage gegen „Prop 8“ gegen sie entscheidet. Dabei gehen sie nicht zimperlich vor.

In einer E-Mail an ihre Unterstützer schreibt die „National Organisation for Marriage“ zum Beispiel, dass sich der Richter „den ganzen Prozess hindurch einseitig“ verhalten habe, „eher als ein Aktivist als ein neutraler Schiedsrichter“. Das verneinen Kollegen Walkers vehement. Der „San Francisco Chronicle“ zitiert einen Bundesrichter, der anonym bleiben will, mit den Worten: „Er hat ein Privatleben und versteckt es nicht, aber es hat keinen Einfluss auf seine Entscheidungen.“

Walker selbst gibt über seine sexuelle Orientierung keinen Kommentar ab. Dass er den Fall verhandelt, ist purer Zufall: Die Richter werden in Kalifornien den einzelnen Fällen zugelost.

Dabei hat Walker den Ruf, sehr konservativ zu sein. In sein Amt berufen wurde er 1989 von Präsident George Bush senior. Als Anwalt hat er unter anderem im Jahr 1982 das amerikanische olympische Komitee vertreten, als diese den „San Francisco Gay Olympics“ gerichtlich untersagten, wegen Verwechslungsgefahr mit den Olympischen Spielen von Los Angeles 1984 das Wort „Olympics“ zu verwenden. Seitdem heißt die lesbischwule Sportveranstaltung „Gay Games“.

Im Prozess gegen Prop 8, die Abschaffung der Homo-Ehe durch eine Volksabstimmung in Kalifornien, ist mittlerweile die Beweisaufnahme abgeschlossen. Richter Walker will die Beweismittel in den nächsten zwei Wochen sichten, dann gibt er einen Termin für die Abschlussplädoyers und die Urteilsverkündung bekannt.

Danach wird der Verlierer wohl einen Prozess vor der nächsten Instanz anstreben – dem Supreme Court der Vereinigten Staaten in Washington. Dort sind alle Richter dem Vernehmen nach heterosexuell.