Schweizer Armee schwulenfeindlich?

Für Diskussionen in der Schweizer Politik sorgt jetzt der Amtsverzicht des Schweizer Armeechefs Roland Nef vom Sommer 2008, rund ein halbes Jahr nach seinem Dienstantritt. Nach der Meinung eines konservativen Journalisten musste Nef gehen, weil er eine schwule Affäre hatte – und deshalb für das Amt untragbar war.

Offiziell hat Nef auf sein Amt „im gegenseitigen Einvernehmen“ verzichtet. Grund waren Berichte über einen vergangenen Streit mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin, die vor Gericht endeten. Sie warf ihm Stalking vor, die beiden einigten sich vor Gericht, das Verfahren wurde eingestellt. Nun meint Philipp Gut, konservativer Autor der ebenso konservativen Wochenzeitung „Weltwoche“ in einem Kommentar, die Medien hüllten den „Kern des Konflikts in Schweigen.“ Bei dem Streit zwischen Nef und seiner damaligen Lebensgefährtin sei es um eine homoerotische Beziehung des Mannes gegangen, meint Gut: „Offensichtlich aber versuchte Nef, seine Homosexualität zu unterdrücken. Dieser Umstand führte zur Eskalation und zu jenen Belästigungen und Schikanen, über die Nef nach Publikwerden der Affäre schliesslich stolperte.“

Und Nef stellt die Frage, ob „ein Heerführer homosexuell sein“ dürfe. Eine Frage, die der Journalist mit recht ungewöhnlichen Begründungen verneint. Und dabei wird er von seinen Schweizer Kollegen unterstützt: Denn ein schwuler Armeechef sei erpressbar, sind sich einige Medien einig.

Die Boulevardzeitung „SonntagsBlick“ spekulierte bereits ein halbes Jahr nach dem Ausscheiden von Nef über dessen Homosexualität. Dazu zitierte sie Strafrechtsprofessor Stefan Trechsel, der die Erpressbarkeit höflich umschreibt. Er meint, eine „weitere Verletzlichkeit“ der Person ergebe sich aus „dem Verdacht auf homosexuelle Neigungen“. Und der Psychologe Allan Guggenbühl spricht einem schwulen General auch Führungsqualitäten ab: „In Militärkreisen kann schon der unberechtigte Verdacht der Homosexualität sofort ein Riesenproblem werden, weil es eben Vorurteile gibt. Dazu kommt, dass die Gesellschaft Führungspersonen gerne moralisiert“, gibt der Psychologe ein nicht gerade von Courage strotzendes Urteil ab. Und Chefredakteur Hannes Britchgi lobte in einem Kommentar die „Zivilcourage“ des Mannes, der die Akte Nef publik gemacht hatte. Und kommentierte: „Der oberste Chef der Armee, der seiner Truppe ein untadeliges Vorbild hätte sein müssen, brachte nicht die nötige persönliche Integrität für dieses hohe Amt mit. Zudem bestand die Gefahr, dass er deshalb erpressbar würde. Wenn nicht alles täuscht, hatte die Schweiz mit Roland Nef ein erhebliches Sicherheitsrisiko an die Spitze ihrer Armee berufen.“