Homo-Protest beim katholischen Gottesdienst

Gar nicht friedlich verlief am Sonntag ein Gottesdienst in der katholischen Gemeinde von ’s-Hertogenbosch: Laut protestierend verließen einige hundert, teilweise kostümierte Lesben und Schwule einen Gottesdienst, nachdem der Pfarrer bei der Predigt erklärt hatte, nur Personen mit „korrekter Erfahrung von Sexualität“ hätten ein Recht auf den Empfang der Kommunion. Das ist der Höhepunkt eines Konflikts, der die Niederlande bereits seit einigen Wochen bewegt.

Damals hatte Luc Buyens, Priester der katholischen Gemeinde Reusel südlich von Eindhoven, dem amtierenden Faschingsprinzen Gijs Vermeulen die Kommunion verweigert, weil dieser offen schwul lebt. Der zuständige Bischof Antoon Hurkmans verteidigte daraufhin seinen Pfarrer: Aktiv gelebte Homosexualität schließe vom Empfang der Kommunion aus, so der Bischof. Allerdings müsse jeder Einzelne mit seinem Gewissen ausmachen, ob die Voraussetzungen für den Kommunionsempfang erfüllt seien. Priester könnten aber auch durch ihr Gewissen verpflichtet sein, die Kommunion zu verweigern, so Bischon Hurkmans gegenüber Radio Vatikan.

Dagegen protestieren nicht nur lesbischwule Organisationen. Der sozialdemokratische Stadtrat Dick Boonman verteilte vor der Kirche in Reusel rosa Winkel mit der Aufschrift „Homo“ – ein klarer Hinweis auf die Nazizeit, als homosexuelle KZ-Insassen mit solchen rosa Dreiecken markiert wurden. Viele Kirchgänger, auch heterosexuelle, steckten sich solche rosa Winkel ans Revers und gingen damit in die Kirche zur Messe von Pater Buyens.

Der sah das Ganze mit Erstaunen, reagierte aber prompt: In einer Erklärung gab er bekannt, dass es am kommenden Sonntag überhaupt keine Abendmahlsfeier geben werde, und dass er diese Situation, wie sie nun entstanden sei, nicht gewollt habe.

Faschingsprinz Vermeulen selbst erklärt, ihm gehe es um Gleichbehandlung: Wenn er als Sünder betrachtet wird, dann will er, dass der Priester auch allen anderen Sündern den Empfang der Kommunion verweigert.