Zeitungen dürfen über Privatleben Haiders berichten

Verwirrung herrscht in der Medienbranche darüber, wie über das Privatleben des tödlich verunglückten Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider berichtet werden darf. Der BZÖ-Politiker war vor seinem Unfall im Klagenfurter Szenelokal „Stadtkrämer“ gesehen worden, ein Jahr nach dem Unglück berichtete die „Bild“-Zeitung über einen angeblichen Ex-Lover Haiders.

Haiders Witwe Claudia beantragte einstweilige Verfügungen gegen „Bild“, „Blick“, „Spiegel Online“, „Österreich“, „News“ und deren Onlinedienste und bekam am Landesgericht Graz recht. Doch das Grazer Oberlandesgericht (OLG) ist offenbar anderer Meinung: Wie der „Standard“ berichtet, dürfen das Schweizer Boulevardblatt „Blick“ und „Spiegel Online“ sehr wohl über die Privatsphäre Haiders schreiben.

Haider sei „eine Person des öffentlichen Lebens“ gewesen, urteilte das OLG. Es bestehe „auch nach seinem Tod, insbesondere wegen der konkreten Umstände seines Todes und die Zeit unmittelbar davor, noch heftiges mediales Interesse. „Blick“ und „Spiegel Online“ hätten darüber hinaus auch das BZÖ bzw. Claudia Haider zu Wort kommen lassen, so die Richter.

Das Oberlandesgericht Wien hat hingegen in einem anderen Verfahren Berichte per einstweiliger Verfügung untersagt, die ein „Bild“-Interview mit privatem Inhalt zitierten. Eine endgültige Entscheidung über die Berichterstattung zum Privatleben Haiders wird wohl erst der Oberste Gerichtshof treffen.