Schwimmtrainer gesteht Missbrauch

In Oberösterreich hat sich zum ersten Mal Schwimmtrainer Helge Gödecke zu Wort gemeldet. Dem früheren Coach des oberösterreichischen Landesverbandes wird vorgeworfen, mindestens zwei minderjährige Burschen sexuell missbraucht zu haben. Gegenüber den „Oberösterreichischen Nachrichten“ (OÖN) hat Gödecke diese Vorwürfe jetzt eingestanden. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für ihn die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft Linz ermittelt gegen Gödecke wegen sittlicher Gefährdung und Missbrauchs des Autoritätsverhältnisses. Laut Staatsanwaltschaft soll der Trainer „geschlechtliche Handlungen an den Buben“ vorgenommen haben und „ließ sie an sich vornehmen“. Außerdem soll er den minderjährigen Burschen Pornos gezeigt haben. Was er dabei noch gemacht haben könnte, oder ob er selbst solche Videos drehte, sei noch Gegenstand der Ermittlungen. Weitere Opfer dürfte es bis jetzt nicht geben.

Wie heute bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft der Polizei erneut einen Ermittlungsauftrag gegeben. Diesmal sollen die Beamten prüfen, ob der Trainer die Jugendlichen durch Drohungen eingeschüchtert hat. Erkenntnisse sollen in rund einem Monat vorliegen.

Zu den Vorwürfen seiner nun erwachsenen Ex-Schützlinge sagt Gödecke jetzt gegenüber den OÖN: „Ich muss zu meiner Tat stehen. Diese unentschuldbare Sache hätte nie passieren dürfen.“ Er versteht, dass die beiden Männer nach mehr als sechs Jahren seine Taten nun angezeigt haben. „Jeder Mensch muss glücklich werden, das akzeptiere ich auch.“

Nach einem Selbstmordversuch befindet Gödecke sich auf einer offenen Station der Linzer Landesnervenklinik. „Ich wollte die Sache mit meinem Tod büßen“, erklärt der ehemalige Schwimmtrainer. Nach einer Hausdurchsuchung und der Vernehmung durch die Polizei sei er in der Nacht „mit meinem Navi alle offenen Apotheken abgefahren“, um Schlaftabletten zu kaufen. Diese hat er dann gemeinsam mit Bier und Wein geschluckt. „Die Polizei hat mich am frühen Morgen in meiner Wohnung gefunden und die Rettung alarmiert“, so Gödecke.

Gegen seine Entlassung durch den oberösterreichischen Schwimmverband will er sich trotzdem zur Wehr setzen: Sein Anwalt Roland Gabl plant eine Klage gegen das Land Oberösterreich vor dem Arbeitsgericht, um mögliche Ansprüche aus dem fristlos aufgelösten Dienstverhältnis zu sichern. Gödecke arbeitete elf Jahre lang als Schwimmtrainer in Oberösterreich und trainierte dort einige Spitzenschwimmer, unter anderem auch die ehemalige Europameisterin Vera Lischka.