Schwule Soldaten ketten sich ans Weiße Haus

In den USA haben lesbischwule Aktivisten gestern für Schlagzeilen gesorgt. Zwei schwule, entlassene Soldaten ketten sich an den Zaun des Weiße Hauses. Eine weitere Gruppe von Aktivisten besetzt die Büros der Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Der Tag der Proteste war kein Zufall: Der Senat veranstaltete gestern eine Anhörung zu „Don’t ask, don’t tell“ (DADT), der Regelung, die offen lebende Lesben und Schwule vom Militärdienst ausschließt.

Zunächst hat die Polizei von Washington D.C. in Zusammenarbeit mit dem Secret Service drei schwule Aktivisten verhaftet: Die beiden Ex-Soldaten Jim Pietrangelo und Dan Choi, die wegen ihrer Homosexualität aus dem Dienst entlassen wurden, sowie Robin McGehee von der bisher noch nicht in Erscheinung getretenen Organisation GetEqual.

Choi ist in den USA bekannt, weil er sich vor seiner Kündigung im US-Sender ABC geoutet hat. Medienberichten zufolge wollte er bei der offiziell angemeldeten Demonstration der Organisation „Human Rights Campaign“ (HRC) eine spontane Rede halten, was ihm auch nach längeren Verhandlungen gestattet wurde. Dabei bat er den Kongress, DADT abzuschaffen – „nicht nächstes Jahr, nicht morgen, jetzt“.

Doch dann übernahm der Ex-Soldat das Kommando: Er forderte die rund 300 Teilnehmer der offiziellen Kundgebung auf, im zum Weißen Haus zu folgen. „Ich möchte, dass ihr alle eure Handys rausnimmt und diesen Moment dokumentiert, in dem wir gemeinsam Geschichte schreiben“, soll er dabei gesagt haben. Ein kleiner Teil der Demonstranten folgte ihm und sah, wie sich Choi und Pietrangelo sofort an den Zaun anketteten. Nach gut einer Stunde wurden die Männer vom Zaun getrennt und von der Polizei abgeführt.

Wenig später besetzten weitere Aktivisten von GetEqual die Büros von Nancy Pelosi, der demokratischen Sprecherin des Repräsentantenhauses, in San Francisco und Washington. Die Aktivisten forderten, Pelosi solle ein bundesweites Antidiskriminierungsgesetz zur Abstimmung bringen, man werde das Büro nicht vorher verlassen, es sei denn, man werde verhaftet. Das passierte dann auch – in San Francisco wurden sechs von elf Aktivisten verhaftet, in Washington vier von acht. Nach Zahlung einer Strafe in der Höhe von 125 US-Dollar durften sie wieder gehen.

Den etablierten Lesben- und Schwulenorganisationen der USA dürften die Aktionen von GetEqual eine schlaflose Nacht bereitet haben. In schwulen Blogs wird der Aktionismus gelobt, der die herkömmliche Vorgehensweise von Organisationen wie HRC in Frage stellt.