„Emma“ klagt über „Homo-Lobby“

Wenn über „schwule Lobbyisten“ geklagt wird, dann tun das meistens ultrakonservative Kirchengruppen. Jetzt hat sich auch die feministische Zeitschrift „Emma“ in die Reihe der von bösen Schwulen verratenen Gruppen eingereiht.

Grund dafür ist ein schon länger währender Streit über das Homo-Mahnmal in Berlin. Ursprünglich nur zum Gedenken an vom Nationalsozialismus verfolgte und ermordete schwule Männer konzipiert, reklamierten Feministinnen kurz vor der Fertigstellung auch das Leid der Lesben während des Dritten Reiches in die Gedenkstätte.

Denn während zu Beginn des Jahres 2006 ein schwuler Kuss als „integraler Bestandteil des Mahnmals“ genehmigt wurde, startete „Emma“ ein halbes Jahr später erfolgreich eine Kampagne gegen das Denkmal, die von den Denkmal-Gestaltern Michael Elmgreen und Ingar Dragset als „populistische Attacke“ kritisiert wurde. Die Zeitschrift sprach sich für einen Kompromiss aus, nachdem der durch ein Fenster sichtbare Kurzfilm alle zwei Jahre ausgewechselt wird – zu sehen sein sollen abwechselnd küssende Männer und Frauen.

Dem entsprechend muss im Mai 2010 ein neuer Film im Sichtfenster gezeigt werden – diesmal mit zwei sich küssenden Frauen. Leiter der KZ-Gedenkstätten und schwule Aktivisten stellen diesen Kompromiss in Frage. Es sei historisch nicht zu belegen, „dass lesbische Frauen im Nationalsozialismus individueller Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgesetzt gewesen seien“, so die Autoren in einem offenen Brief an den deutschen Kulturstaatsminister Bernd Neumann: „Eine derartige Neuinterpretation würde … zu einer Verzerrung und Verfälschung der Geschichte wie des Andenkens an die Verfolgten führen, die wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen ist.“

Das entzürnt wiederum die „Emma“-Redaktion. In einem Artikel bezeichnet sie diese Aussage als „dreist“: „Schließlich war es eine der ersten Amtshandlungen der Nazis, Lotte Hahm und Elsa Conrad, die Leiterinnen der Berliner ‚Damenclubs‘ Violetta und Monbijou und Lesben-Aktivistinnen, zunächst ins Gefängnis und dann ins KZ zu transportieren“.

Auch wenn weibliche Homosexualität im Dritten Reich – anders als im Österreich der Zwischenkriegszeit – nicht durch Paragraph 175 verboten war, habe die Gestapo gezielt Jagd auf Lesben gemacht, die dann im KZ Massenvergewaltigungen ausgesetzt waren.

„Diese historischen Fakten zu leugnen, heißt nicht nur, die Frauen (mal wieder) zu verschweigen“, schreibt „Emma“. Sie kündigt an, in dem „kleinlich-kläglichen Streit um das Homo-Mahnmal“ nicht zurückzuweichen.