„Duce“-Enkelin gegen Vatikan-Kardinal

Heftige Reaktionen gibt es auf die Aussagen von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der einen Zusammenhang zwischen Kindesmissbrauch und Homosexualität festgestellt haben will.

Bertone, Außenminister und Nummer zwei des Vatikans, hatte am Montag vor Journalisten in Santiago de Chile gesagt: „Viele Psychologen, viele Psychiater haben aufgezeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Zölibat und Pädophile gibt, aber viele andere haben aufgezeigt, wurde mir letztens berichtet, dass es einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophile gibt. Das stimmt. Ich habe die Dokumente der Psychologen“, so Bertone bei der Pressekonferenz.

Diese Aussagen haben in Chile für Kopfschütteln gesorgt. Hugo Gutierrez von der Kommunistischen Partei Chiles sagte, er sei „schockiert von diesen Worten eines hohen Vertreters der Kirche“: „Der Zölibat richtet mehr Schaden an einem Menschen an als Homosexualität.“

In Italien hat Anna Paola Concia, Abgeordnete der oppositionellen linksbürgerlichen „Demokratischen Partei“, erklärt der zweite Mann des Vatikans müsse seine „gewalttätigen, unmenschlichen und sehr schwerwiegenden Worte“ umgehend zurücknehmen.

Auch von Rechts kommt harsche Kritik. Auch „Duce“-Enkelin Alessandra Mussolini, Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Kinder, distanzierte sich von Bertones Bemerkungen. Die sexuelle Orientierung dürfe nicht automatisch mit pädophilen Übergriffen in Verbindung gebracht werden, so Mussolini, die heute Berlusconis Partei angehört.

Auch innerhalb der italienischen Community ist der Ärger über den Vatikan-Außenminister groß: Der frühere Vorsitzende des größten italienischen Lesben- und Schwulenverbands, Aurelio Mancuso, meint, dass Bertone wenn er konsequent wäre, alle Homosexuellen aus dem Klerus verjagen müsste: „Die Wahrheit ist, dass Bertone ungeschickt versucht, die Aufmerksamkeit auf Homosexualität zu lenken, weg von den neuen Verbrechen gegen Kinderm die jeden Tag bekannt werden.“

Der Vorsitzende des Lesben- und Schwulenverbands Gaylib, Enrico Oliari, sagte in Anspielung auf die homophoben Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, der Vatikan solle nach Teheran transferiert werden.

In Großbritannien war die Lesben- und Schwulengruppe Stonewall nach Angaben der BBC „verblufft, dass Lesben und Schwulen noch immer mit so einem offensiven Gerücht“ umgehen müssten.