Katholische Sexuallehre „lebensfremd“

Scharfe Kritik an der römisch-katholischen Sexuallehre kommt nun auch aus den eigenen Reihen. Der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff bezeichnet sie in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ in vielen Bereichen als nicht mehr zeitgemäß.

Schockenhoff bemerkt, dass immer mehr Gläubige auf Distanz zu einer kirchlichen Sexualmoral gehen, „die ihnen insgesamt lebensfremd und lebensfeindlich vorkommt“: „Papst und Bischöfe sollten das ernst nehmen und nicht als Laxheit abtun“, so der Theologe.

Ein klassisches Beispiel für die Probleme der katholischen Sexuallehre mit der Wirklichkeit ist für Schockenhoff, der auch stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates ist, der Umgang der Kirche mit Homosexualität. Die Kirche müsse Schwulen und Lesben „eine Antwort geben, wie sie mit ihrer Veranlagung umgehen sollen“. Die alleinige Forderung nach sexueller Enthaltsamkeit überfordere viele Betroffene, so Schockenhoff. Seiner Meinung nach fehle ein positives Echo der Kirche für jene Homosexuellen, die eine feste, auf Solidarität und Dauer angelegte Beziehung eingehen wollten.

Auch nach kirchlicher Überzeugung dürfe niemand wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden, betonte Schockenhoff. Lesben und Schwule verdienten die gleiche Achtung und Wertschätzung „wie jeder andere“.