Schwuler Nigerianer wird aus Österreich abgeschoben

Nach Informationen der Tageszeitung „Der Standard“ ist auch ein schwuler Nigerianer von einem der Aufsehen erregendsten Abschiebefälle der letzten Jahre betroffen: Der 25-jährige Cletus B. wurde gemeinsam mit anderen Spielern der afrikanisch-österreichischen Fußballmannschaft „Sans papiers“ am Donnerstag beim Training auf der Marswiese verhaftet. Cletus B. hat die Mannschaft trainiert.

Für ihn soll – genauso wie für den 21-jährigen Vincent E. – ein Heimreisezertifikat aus Nigeria vorliegen. Dieses Zertifikat könnte für ihn ein Todesurteil sein: „Cletus ist aus dem Norden Nigerias geflohen, weil er dort als Homosexueller um sein Leben fürchten muss“, sagt Di-Tutu Bukasa, der Vorsitzende des „Sans papiers“-Vereins dem „Standard“. Im Norden Nigerias wurde bereits auf Druck islamischer Gruppen die Scharia eingeführt, tausende Nigerianer fielen religiösen Pogromen zum Opfer. Im Februar 2009 hatte Außenminister Ojo Madueke gegenüber der UNO behauptet, in seinem Land gäbe es keine Homosexuellen: Deshalb bleibe Homosexualität in Nigeria verboten und die Höchststrafe, bis zu 14 Jahre Haft, aufrecht. Berichten zufolge wurden Schwule in Nigeria auch wegen ihrer sexuellen Orientierung schon gesteinigt.

Doch auch ein Folgeasylantrag für B., in dem er auf diese Gefahren hinweist, wird seinen Abtransport wahrscheinlich nicht aufhalten können: Seine Homosexualität war in seinem rechtskräftig negativ abgeschlossenen Asylverfahren schon als Asylgrund erwogen worden – und abgelehnt. Nach dem neuen Asylrecht werden Folgeanträge mit dem gleichen Asylgrund nicht mehr berücksichtigt.

Damit ignoriert Österreich eine aktuelle Empfehlung der Parlamentarischen Kommission des Europarates: Diese hatte erst letzte Woche die Mitgliedsländer aufgefordert, Verfolgung wegen der sexuellen Orientierung als Asylgrund anzuerkennen.

Bei der Festnahme der „Sans papiers“-Spieler kreisten letzten Donnerstag Zeugenberichten zufolge etwa 100 Polizisten die Spieler ein und verhaftetet sie. Wie die Tageszeitung „Der Standard“ berichtet, sollen Cletus B., Vincent E. und zwanzig weitere Nigerianer mit einem Flug von Frontex, der EU-Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen, bereits am Mittwoch außer Landes gebracht werden. Die Polizei dementiert diesen Termin: Den genannten Zeitpunkt konnte eine Sprecherin der Polizei nicht bestätigen.

Ein erster Versuch, einen der Häftlinge vom Schubhaft-Zentrum am Hernalser Gürtel abzutransportieren, scheiterte Donnerstag nachmittag beinahe am Widerstand von etwa 250 Demonstranten. Der Gürtel musste über eine Stunde zur Hauptverkehrszeit gesperrt werden.

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