Island öffnet Ehe für Lesben und Schwule

In Island wurde am Freitag die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule ohne Gegenstimme beschlossen. Das neue Ehegesetz tritt am 27. Juni in Kraft. Die Formulierung „Mann und Frau“ wurde durch „zwei Personen“ ersetzt.

Von den 63 Abgeordneten des isländischen Parlaments waren bei der Abstimmung 49 anwesend, sie stimmten alle für das neue Ehegesetz und damit die Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare. Mit dem Gesetz werden auch die 1996 eingeführten Eingetragenen Partnerschaften abgeschafft. Betroffene Schwulen und Lesben können nun wählen, ob sie wie heterosexuelle Paare auch heiraten oder in einer formlosen Partnerschaft zusammenleben wollen. Für Justizministerin Ragna Árnadóttir ist das Gesetz ein großer Fortschritt für die Rechte von Schwulen und Lesben in Island.

Eine der ersten Ehen, die geschlossen wird, ist wahrscheinlich die von Svanfrídur Lárusdóttir: „Wir sind sehr glücklich und haben begonnen, unsere Feier zu planen“, so die Vorsitzender der lesbischwulen Aktivistengruppe „Samtökin 78“. „Jetzt ist das letzte Hindernis weggefallen und alle Menschen können gleiche Rechte haben“, freut sich Lárusdóttir.

Island ist damit das siebente europäische und weltweit das neunte Land, das die Ehe für Lesben und Schwule geöffnet hat. In Europa können gleichgeschlechtliche Paare derzeit in Island, Norwegen, Schweden, den Niederlanden, Belgien, Spanien und Portugal heiraten. Außerdem haben Kanada und Südafrika sowie einige US-Bundesstaaten und Mexiko-Stadt die Ehe geöffnet.

Die Entscheidung verlief ohne große Diskussionen: Die Isländer haben bei der Ehe-Öffnung eine pragmatische Einstellung. Diskussionen gibt es nur innerhalb der evangelischen Kirche Islands. Im Gesetz ist vorgesehen, dass Pastoren gleichgeschlechtliche Paare trauen können, dazu aber nicht verpflichtet sind. Kristján Valur Ingólfsson, Sprecher des Bischofs von Island, betonte aber, dass die Kirche sich selbstverständlich an das Gesetz halten werde.