Berlin: Unbekannte prügeln auf Schwule ein

In Berlin gab es am Wochenende wieder schwulenfeindliche Attacken: In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben vier junge Männer mehrere Passanten im Volkspark Friedrichshain verprügelt, weil sie diese für schwul hielten.

Tatort war das beliebte Cruising-Gebiet am Märchenbrunnen im Volkspark. Die Täter wollten offenbar vor allem zuschlagen: Vier Opfer berichten unabhängig voneinander, dass die binnen zehn Minuten von den Jugendlichen gefragt wurden, ob sie schwul seien. Eine Antwort warteten die Angreifer dabei nicht ab – sie schlugen gleich zu. Die Opfer erlitten Verletzungen im Gesicht und am Oberkörper durch die Schläge und Tritte. Die Täter konnten unerkannt flüchten.

Die Täterbeschreibungen der Opfer gleichen sich: „Es war von vier Männern die Rede, der Anführer wurde als westeuropäischer, athletischer Typ geschildert, der mit Berliner Akzent sprach.“, so ein Polizeisprecher.

Es könnte nicht die erste Gewalttat der Gruppe sein: In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde ein 25-jähriger Transsexueller auf der Landsberger Allee in Lichtenberg angegriffen. Zunächst wurde er angepöbelt, als er zurückredete, drückten die Täter das Opfer gegen ein Geländer und schlugen es. Der Transsexuelle konnte sich befreien und flüchtete in eine Bar. Auch hier handelte es sich um vier Täter, die Opfer flüchteten auf Fahrrädern. Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes Berlin hat die Ermittlungen übernommen und prüft einen Zusammenhang zu dem Vorfall im Volkspark.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass es im Cruising-Gebiet im Volkspark Friedrichshain zu schwulenfeindlichen Gewalttaten kommt. Im Juli 2008 wurde ein Familienvater von unbekannten Tätern zusammengeschlagen, weil sie ihn für schwul gehalten hatten. Im Krankenhaus wurden dem Mann damals ein doppelter Kieferbruch und schwere Prellungen diagnostiziert

Unter Umständen könnten die Überfälle mit dem „Transgenialen CSD“ zu tun haben, den am Samstag rund 5.000 Menschen in Neukölln und Kreuzberg gefeiert haben. Diese Veranstaltung richtet sich gegen die Kommerzialisierung der Schwulenbewegung und möchte auch Trans- sowie an Heterosexuelle mit abweichender Geschlechtsidentität gezielt ansprechen.

Auch der Transgeniale CSD kam letztes Jahr wegen einem Streit in die Schlagzeilen: Bei der U-Bahn-Station „Schlesisches Tor“ kam es zum Streit mit Rapper Bushido und seinen Begleitern, bei dem sie Demoteilnehmer angeblich beleidigten. Die Anklage gegen Bushido wurde aber kürzlich fallen gelassen. Er hatte vor Gericht erklärt, kein Schwulenfeind zu sein.

In Berlin werden immer wieder Attacken gegen Lesben und Schwule bekannt. Diese häufen sich in letzter Zeit: Vor nicht einmal zwei Wochen trat eine Frau einem Schwulen wiederholt zwischen die Beine und stahl ihm sein Handy. Wenige Tage zuvor wurden ein 32-Jähriger und sein 28-jähriger Freund von drei Unbekannten beschimpft und verletzt, bei der Verfolgung rammte einer der Täter dem älteren der beiden Männer ein Messer in den Rücken. Und auch rund um das schwul-lesbische Stadtfest in Schöneberg vor zwei Wochen wurde ein Schwuler verprügelt, ein anderer ausgeraubt. Das ist die Fortsetzung eines traurigen Trends: Wurden dem schwulen Überfalltelefon „Maneo“ im Jahr 2008 noch 186 Überfälle gemeldet, waren es letztes Jahr bereits 225 Fälle.