„Photos von kotzenden Personen“ sollen an Nazi-Opfer erinnern

Bewegung kommt in die Diskussion um ein Mahnmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in Wien – im wahrsten Sinne des Wortes.

Seit Jahren kämpft die Community in Wien um einen Ort des Gedenkens. Und ebensolange werden Pläne geschmiedet, Wettbewerbe ausgeschrieben und Projekte wieder verworfen. Zuletzt gab es im Jahr 2006 einen Wettbewerb: Gewonnen hat Hans Kupelwieser mit dem Projekt „Rosa Platz“, das ein Becken mit rosa Wasser am Morzinplatz vorgesehen hat. Dort war die Gestapo-Leitstelle Wien. Das Siegerprojekt wurde aber im Nachhinein wieder verworfen, weil das rosa Wasser nicht realisierbar war.

Im Dezember 2009 wurde daher beschlossen, zunächst temporäre Kunstwerke zu installieren. „Die temporäre, in regelmäßigen Abständen wechselnde Bespielung durch zeitgenössische Künstler garantiert, dass der Ort nicht zum immobilen Denkmal erstarrt,“ betont Matthias Herrmann, Fotokünstler und Kurator der Aktion.

Das erste davon, „Mahnwache“ von Ines Doujak, wird am Freitag um 17.00 Uhr am Morzinplatz eröffnet und ist bis 1. Oktober jeden Freitag von 17.00 bis 18.00 Uhr zu sehen. Bei der Eröffnung sind neben der Künstlerin auch Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny anwesend.

Das Projekt der 1959 geborenen Klagenfurterin sieht vor, dass drei Monate lang, jeweils freitags von 17 bis 18 Uhr, Personen eine Mahnwache am Morzinplatz halten. Dabei tragen sie Tafeln mit Collagen, „deren Basis Photos von kotzenden und schreienden Personen sind, die aus dem Ohr bluten“, wie das Info-Portal „QueerNews“ berichtet. Ines Doujak, deren Arbeiten von einer feministischen Perspektive geprägt sind, will damit „visuelle Turbulenzen“ schaffen, „die ihr Gegenüber heraus- und gegebenenfalls auch überfordern“.

Außerdem wird eine 8-teilige Serie von Postkarten produziert und verteilt, damit auch der Öfentlichkeit „die Möglichkeit zur aktiven Einschreibung in das Projekt eingeräumt wird“, wie es offiziell heißt.

Anlässlich der Regenbogenparade wird auch am Samstag dem 3. Juli, eine außerplanmäßige Mahnwache stattfinden. Auf der Parade ist Dojak keine Unbekannte: Als Teil ihrer ersten Einzelausstellung in der Wiener Secession nahm die Konzeptkünstlerin bereits 2002 mit einem von ihr gestalteten Wagen an der Regenbogenparade teil.