Störungen zu Beginn, dann friedliche EuroPride in Warschau

Prinzipiell friedlich, aber mit Protesten zu Beginn der Parade fand heute in Warschau die EuroPride statt. Dabei kam es auch zu Ausschreitungen zwischen den nationalistischen Gegendemonstranten und der Polizei. Größtenteils wurde die Parade – wie erhofft – aber doch ein großer, bunter Umzug der Toleranz. Am schwersten machte den Teilnehmern das Wetter zu schaffen – pralle Sonne und 35 Grad führten zu einer Verkürzung der Route.

Die ersten Meldungen aus Warschau klangen Besorgnis erregend: Denn erste Proteste gab es schon vor dem Start der Parade, als rechtsradikale und nationalistische Kräfte gegen die EuroPride demonstrierten. Mehrere hundert Mitglieder rechtsradikaler und nationalistischer Organisationen marschierten durch das Zentrum von Warschau, unter anderem auch Funktionäre der national-konservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Dabei skandierten sie Parolen wie „Gott, Ehre, Vaterland“ und „Unser Ziel ist ein großes Polen“. Auf Transparenten stand unter anderem „Perverse nach Berlin“. In Flugblättern warnten sie vor „Degenerierten aus ganz Europa“.

Als Nationalisten kurz vor Beginn des Umzugs Eier und Rauchbomben auf die Parade werfen wollten, schritt die Polizei ein: Sie kesselte die rund 100 Gegendemonstranten ein und verhaftete acht von ihnen. Ein Polizist musste nach Informationen der Zeitung „Gazeta Warszawa“ ins Krankenhaus eingeliefert werden. Danach konnte die Parade mit leichter Verspätung starten. Doch es gibt auch friedliche Gegendemonstranten: Zwei Männer verteilen am Rand der Parade Mini-Bibeln an die Teilnehmer der EuroPride.

Die polnische Polizei war mit gut 2.000 Beamten auf der Parade, um die fünf angemeldeten Gegendemonstrationen in Schach zu halten und die Paradenteilnehmer zu schützen. Dabei versuchen die Polizisten, selbst im Hintergrund zu bleiben und die Veranstaltung selbst nicht zu behindern.

Unterm Strich zeigt sich: Die radikalen Gegendemonstranten sind in Polen nur eine Minderheit. Teilnehmer an der EuroPride twittern, dass viele Bewohner der polnischen Hauptstadt gekommen zum Umzug sind, um die Teilnehmer auf ihren bunten Wagen zu sehen und die EuroPride zu unterstützen. „Zahlreiche Menschen auf den Balkonen um die Strecke oder auch in wartenden Autos haben den ParadeteilnehmerInnen zugewunken. Sicherlich, den einen oder anderen Stinkefinger gab es auch, aber insgesamt war ich positiv überrascht – auch vom wirklich perfekt koordinierten Polizeiaufgebot, die erst keinerlei gröbere Probleme entstehen ließ“, lobt Michael Leiblfinger, der mit der sozialdemokratischen Lesben- und Schwulenorganisation „Rainbow Rose“ in Warschau ist, in seinem Blog.

Die bis zu 10.000 Teilnehmer werden sich an einen bunten Tag zurückerinnern – „was ein Erfolg für die Organisatoren wäre“, wie das deutsche Info-Portal „queer.de“ schreibt. Denn zum ersten Mal fand heute die EuroPride in einem ehemaligen Ostblockland statt – das Experiment dürfte gelungen sein.

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