Schwuler Fußballer für 93% der englischen Fans in Ordnung

Einen kleinen Lichtblick gibt es für das Outing eines schwulen Fußballspielers in England. Die dortigen Fans haben sich in einer Umfrage mit großer Mehrheit gegen Homophobie im Fußball ausgesprochen.

Ganze 93 Prozent der 2.000 befragten Fans hätten kein Problem damit, wenn sich ein Spieler der Premier League als schwul outen würde. „Das Ergebnis ist überraschend und widerspricht unseren Erwartungen. Die Fans meinen, dass Homophobie eine Schande für den Fußball ist“, wundert sich selbst Professor Ellis Cashmore von der Staffordshire University, der das Projekt wissenschaftlich begleitet hat, über das klare Ergebnis. „Fußballfans wurden lange als Neandertaler charakterisiert, als Machos, die Homosexualität verdrängen; aber offensichtlich haben sie sich verändert. Sie geben nicht mehr viel auf die sexuelle Orientierung eines Spielers“, freut sich der Wissenschafter.

Die Fans gehen sogar einen Schritt weiter: „Die Mehrheit würde es begrüßen, wenn ein schwuler Fußballer sich outet statt versteckt.“, so Cashmore weiter. „Eine Frage stellt sich: Wann wird ein schwuler Fußballspieler sich outen? Die Fans selber meinen: ‚Wir wissen, dass es schwule Spieler gibt, wir schauen uns die Spiele jede Woche an mit diesem Wissen im Hinterkopf, und es ist uns egal‘“.

Cashmore vergleicht die Debatte um Homophobie mit jener um Rassismus im 70er- und 80er-Jahre-Fußball vergleicht. Er gesteht aber auch ein, dass es für einen aktiven Spieler sehr schwer ist, sich zu outen: „Natürlich stehen die Spieler selber in einer gewissen Tradition und dieses Erbe stellt sich als schwere Last für den Fußball heraus. Wenn sich ein Fußballer, der seine Karriere hinter sich hat, outet, geht er den Weg des geringsten Widerstandes.“

Dass ein Outing schwer, aber möglich ist, zeigen klassische Männersportarten auf den britischen Inseln vor: Der frühere walisische Rugby-Kapitän Gareth Thomas outete sich letztes Jahr in einem Interview. „“Es ist hart für mich, der einzige Spieler weltweit zu sein, der in Kauf nimmt, dieses Tabu zu brechen.“, so Thomas damals. Auch einer der bekanntesten Sportler Irlands, der Hurling-Spieler Dónal Óg Cusack, hat sich in seiner Autobiografie als schwul geoutet. Nach seinem Outing haben ihn Mitspieler, Fans und sogar Politiker dazu gedrängt, weiterzuspielen: „Wir stehen hundert Prozent hinter ihm. Er ist ein großartiger Mensch und hat so viel für uns alle getan. Für uns ändert sich nichts“, sagte Stürmer Cathal Naughton.

Im englischen Profifußball hat sich bis jetzt mit Justin Fashanu nur ein Spieler während seiner Karriere geoutet. Im Jahr 1988 beging er im Alter von 37 Jahren Selbstmord.