„Wiener Blut“ – bitte nicht von Schwulen

Hohe Wellen schlägt derzeit ein Plakat der FPÖ für den Wiener Wahlkampf. „Mehr Mut für Wiener Blut – Zuviel Fremdes tut niemandem gut“, plakatieren die Freiheitlichen derzeit auf den Plakatwänden der Bundeshauptstadt. Als Gegenaktion spenden heute demonstrativ SPÖ-Abgeordnete mit migrantischem Hintergrund ihr „Wiener Blut“. Schwule Männer, die es ihnen gleich tun wollen, werden aber noch immer abgewiesen.

Es ist ein kleiner Punkt auf dem Fragebogen, den potentielle Blutspender beim Roten Kreuz ausfüllen müssen: „Hatten Sie als Sex Mann mit einem anderen Mann?“ Wer hier wahrheitsgemäß mit „Ja“ antwortet, wird von der Blutspende ausgeschlossen. Egal, ob er seit Jahrzehnten monogam lebt oder nur als Teenager die eigene Sexualität ausprobiert hat.

Das Rote Kreuz argumentiert mit der HIV-Prävalenz unter schwulen Männer. Die Prävalenz gibt an, wie viele Personen einer bestimmten Gruppe eine bestimmten Krankheit haben. „Diese Prävalenzrate beträgt für HIV in der Österreichischen Gesamtbevölkerung im Jahr 2006 0,0011, das heißt in einer Stichprobe von 1000 Personen war statistisch im Jahr 2006 ziemlich genau eine HIV-infizierte Person zu erwarten. Nimmt man nun die so genannte Prävalenz von Männern, die Sex mit Männern haben, so liegt diese signifikant über der ersten Zahl. Die verfügbaren Studien, beispielsweise aus der Schweiz 2004 zeigen hier eine Prävalenzrate von 0,09; nimmt man beispielsweise alle BlutspenderInnen in Österreich im Jahr  2004, so lag die Prävalenz bei 0,01“, heißt es auf der Homepage des Roten Kreuzes.

Eine Erklärung, warum die Zugehörigkeit zu einer Gruppe prinzipiell gefährlicher sein soll als Risikoverhalten, bleibt das Rote Kreuz schuldig. Zum Vergleich: Nach heterosexuellem Risikoverhalten darf man in Österreich nur vier Monate lang kein Blut spenden.

Die Politik hat offenbar wenig Interesse, diese Diskriminierung zu beenden: „Die Problematik der Frage nach MSM ist uns natürlich bewusst, wir befinden uns diesbezüglich in Gesprächen mit allen relevanten Stakeholdern“, ließ das Büro von Gesundheitsminister Alois Stöger dazu dem Blog „Think Outside Your Box“ ausrichten.