Homosexualität in polnischem Schulbuch „heilbare Krankheit“

Wenn in einem Schulbuch steht, dass Homosexualität eine Krankheit sei, die geheilt werden könne, muss es nicht unbedingt im Museum stehen – es könnte auch eines der beiden zur Zeit zugelassenen Lehrbücher für Aufklärungsunterricht in polnischen Mittelschulen sein.

Deshalb fordert die Lesben- und Schwulenrechtsgruppe „Vereinigung für Diversität“, dass das Buch sofort aus dem Unterricht entfernt wird.

Przemek Szczeplocki, Vorsitzender des „Arbeitskreises für Diversität“ ist empört: „Diese Einstellung führt zu der fehlenden Akzeptanz für Lesben, Schwule und Bisexuelle und lässt den Glauben weiterleben, dass einige sexuelle Orientierungen nicht normal sind – und das verletzt.“ Er ergänzt, dass in einer vorhergehenden Auflage des Buches Homosexualität auf die gleiche Stufe mit Inzest und Pädophilie gestellt wurde. „Jetzt ist das Buch subtiler, aber noch immer gefährlich, weil es für Schüler weniger marktschreierisch noch überzeugender wirkt“, fürchtet Szczeplocki.

Doch das polnische Unterrichtsministerium will von einem Verbot des kritisierten Aufklärungsbuch nichts hören. Vor der Zulassung wäre es geprüft worden, und Lehrer hätten das Recht, jenes Schulbuch zu verwenden, das ihnen mehr zusagte, so Ministeriums-Sprecher Grzegorz Zurawski gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“. Er meinte, die Lesben- und Schwulenrechtsgruppe solle sich eher an den Verleger und Lehrer wenden, anstatt vom Ministerium ein Verbot zu fordern: „Wir bitten unsere Experten, die Schulbücher besonders auf rassistische, sexuelle oder religiöse Diskriminierung zu prüfen, und sie haben in diesem Fall nichts gefunden.“

Damit wird Polen wieder seinem Ruf als eines der homophobsten Länder der Europäischen Union gerecht. Im März haben sich vier von fünf befragten Polen gegen eine Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule ausgesprochen.