Ohne Homo-Ehe auch keine Scheidung

Nachdem es in Texas keine gleichgeschlechtliche Ehe gibt, können sich schwule und lesbische Paare in dem US-Bundesstaat auch nicht scheiden lassen. Mit dieser bitteren Erkenntnis wurde jetzt ein schwules Paar konfrontiert, das im Jahr 2006 in Massachusetts rechtmäßig geheiratet hat und dann nach Dallas gezogen ist.

Doch so ganz klappte es mit der Ehe nicht: Im November 2008 wollten sich die beiden wieder scheiden lassen. Einer der beiden Männer brachte beim örtlichen Familiengericht eine Scheidungsklage ein – schließlich ging es um die Aufteilung des ehelichen Vermögens, und den gemeinsam Familiennamen wollte der Mann auch wieder loswerden.

Die Richterin in erster Instanz erklärte sich für zuständig und begann, den Fall zu übernehmen. Doch dann schaltete sich der Generalstaatsanwalt von Texas ein. Er intervenierte, ein Berufungsgericht hob die Zuständigkeit der Richterin wieder auf.

Das Problem für das Paar: In Texas ist das Verbot der Homo-Ehe in der Verfassung verankert. Die Scheidung eines schwulen Ehepaares wäre aber quasi eine Anerkennung der Homo-Ehe durch die Hintertür. Das wollen konservative Kreise in Texas mit allen Mitteln vermeiden. Weshalb das verheiratete Paar nach dem Recht des US-Bundesstaates als ledig gilt – und deshalb nicht geschieden werden kann, so die Richter. Auch sei das Gericht – anders als zum Beispiel in New York – verpflichtet, die Ehe nur deshalb kurzzeitig anzuerkennen, um sie wieder scheiden zu können.

Damit können die beiden Männer nicht geschieden werden – weil sie nach texanischem Recht ledig sind. Und damit fängt das Chaos erst an: In anderen Bundesstaaten, die ihre Ehe anerkennen, ist das Paar sehr wohl miteinander verheiratet. Dort können sie sich aber nicht scheiden lassen, weil sie ihren Wohnsitz in Texas haben. Und wenn einer der beiden Männer in Texas eine Frau heiraten sollte, wäre er nach dem Recht des Bundesstaates legal verheiratet, in jenen Bundesstaaten, die seine Homo-Ehe anerkennen, aber Bigamist.