Konservative US-Lutheraner spalten sich ab

In den Vereinigten Staaten haben sich konservative Lutheraner von der liberalen Mutterkirche abgespalten – weil monogam, aber offen lebende Schwule dort Pastor werden dürfen.

Die „Evangelische Lutherische Kirche in Amerika“ ist die größte lutherische Kirche in den Vereinigten Staaten. Sie gilt als liberal. Letzten August hat die Kirche beschlossen, dass schwul und lesbisch lebende Theologen Pfarrer werden können. Das hat zu einem Konflikt mit dem konservativen Flügel der Kirche geführt, der sich jetzt abgespalten hat.

Sie haben letzte Woche die „Nordamerikanische Lutherische Kirche“ gegründet. Motor hinter der neuen Kirche ist die „Koalition für Erneuerung“, ein Verband konservativer lutherischer Geistlicher und Gemeinden. Die neue Kirche versteht sich als „Gegengewicht“ zu der angeblich viel zu liberalen und bibelfernen „Evangelischen Lutherischen Kirche in Amerika“, die 1988 aus der Fusion von drei Kirchen hervorging.

An Selbstbewusstsein mangelt es der neuen Kirche nicht – sie versteht sich schon jetzt als „Zentrum des Luthertums in Amerika“. Geleitet wird sie derzeit von Paull Springs. Der 72-jährige ehemalige Bischof von Pennsylvania hat sich schon in der Vergangenheit gegen gleichgeschlechtlich liebender Menschen im Pfarrersamt ausgesprochen: „Es gibt Leute, deren Lebensstil ich nicht gutheiße. Ich glaube nicht daran, dass wir diese Leute segnen oder zum Pfarrer machen sollten“, sagte er in der „Centre Daily Times“. Später soll mindesten ein Bischof gewählt werden.

Unterstützung gibt es – wenig überraschend – auch von konservativen Klerikern aus Afrika: An der Gründungsversammlung nahmen auch Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania und der evangelischen Mekane-Jesus-Kirche in Äthiopien teil. Mit jeweils rund 5,3 Millionen Mitgliedern bilden sie nach der liberalen Schwedischen Kirche die grössten lutherischen Gemeinschaften in der Welt.

Damit gibt es in den USA jetzt fünf große lutherische Kirchen: Neben der „Nordamerikanischen Lutherische Kirche“, der bisher rund zweihundert Gemeinden beigetreten sind, und der 4,5 Millionen Mitglieder zählende „Evangelische Lutherische Kirche in Amerika“ gibt es noch die konservativen Kirchenverbünde „Missouri Synode“ und die „Evangelisch Lutherische Synode Wisconsin“ mit insgesamt 2,8 Millionen Mitgliedern, sowie die Lutherische Gemeinschaft „Mission für Christus“, mit 500 Gemeinden. Anders als die beiden Synoden will die Nordamerikanische Lutherische Kirche Frauen zum Pfarramt zulassen.

Innerhalb der Lutheraner wird die Abspaltung mit Skepsis gesehen: Der Kirchenhistoriker Martin Marty betont, dass gerade über Homosexualität im Pfarramt über Jahre diskutiert worden wäre – deshalb könne man nicht behaupten, liberale Kirchenführer hätten Gemeinden die Reform aufgezwungen. Er rechnet damit, dass nur noch wenige Gemeinden die Evangelische Lutherische Kirche in Amerika verlassen werden. Medienberichten zufolge überlegen rund 100 weitere Gemeinden einen Übertritt. Zum Vergleich: Die „Evangelische Lutherische Kirche in Amerika“ vereinigt 10.000 Gemeinden.