Italienische Protestanten segnen Lesben und Schwule

Zwei protestantische Kirchen in Italien haben den Weg für eine Segnung schwuler und lesbischer Paare frei gemacht.

Nach einer zweitägigen Debatte hat die gemeinsame Synode der Waldenser und Methodisten beschlossen, dass Gemeinden homosexuelle Paare segnen dürfen, „wenn die lokale Gemeinde eine ausgereifte Entscheidung getroffen hat und diese die verschiedenen Meinungen respektiert“. Begründet wird diese Entscheidung damit, dass „die Worte und Taten Jesu, wie sie im Evangelium verkündet werden, und lehren, jede Erfahrung und jede Entscheidung willkommen zu heißen, die von Gottes Liebe getragen wird, frei und bewusst getroffen.

Einstimmig ist die Entscheidung allerdings nicht getroffen worden: Eine Gruppe innerhalb der Waldenser, angeführt vom Parlamentsabgeordneten Lusio Malan, warnte in einem Inserat, dass solche Segnungen zu einer Kirchenspaltung innerhalb der Waldenser führen könnten. Dabei beziehen sie sich darauf, dass die Grundlagen der Kirche in der Heiligen Schrift liegen, die Homosexualität verdamme.

Doch das sieht das Leitungsgremium der italienischen Waldenser, der Tavola Valdense, anders. Man müsse die Bibelstellen in ihrem historischen Kontext sehen, um Fundamentalismus zu vermeiden, heißt es in einer ersten Reaktion. „Es geht nicht darum, Homosexuelle in unseren Kirchen willkommen zu heißen“, erklärt Pastor Maria Bonafede, Moderator der Tavola Valdense: „Es geht darum, eine Verbindung von Menschen zu segnen, die im Angesicht Gottes und ihrer Glaubensgemeinschaft über ihre Verbindung für den gemeinsamen Lebensweg Zeugnis ablegen möchten. Dazu müssen wir verstehen, was ‚Segnung‘ in der Bibel und der Kirche heißt. Es heißt ganz klar nicht ‚Trauung'“, macht Bonafede klar.

Die Waldenser, die in Italien rund 35.000 Mitglieder haben, gelten als offen gegenüber den Anliegen von Lesben, Schwulen und Transgendern.