Weiter Rätselraten um verhafteten Schwulenaktivisten

Weiter Rätselraten gibt es um das Schicksal des russischen Lesben- und Schwulenaktivisten Nikolai Alexejew. Wie GGG.at als erstes deutschsprachiges Medium bereits gegen Mitternacht berichtete, wurde er gestern abend auf dem Moskauer Flughafen verhaftet, als er nach Genf reisen wollte.

Grund für die Verhaftung wurde ihm dabei keiner genannt. Bevor sein Mobiltelefon beschlagnahmt wurde, konnte er noch befreundete Aktivisten über seine Verhaftung informieren. Diese fuhren zum Flughafen, fanden Alexejew dort aber nicht mehr. Auch in den offiziellen Polizeisystemen war er nicht als verhaftet gemeldet. Es wurde daraufhin vermutet, dass ihn der Inlandsgeheimdienst FSB festgenommen und verhört hatte.

Im Laufe des heutigen Tages gab es dann zumindest teilweise Entwarnung – die aber weitere Fragen offenlässt. Gegen sechs Uhr früh meldete sich Alexejew über ein Zweithandy, das er für besonders heikle Situationen immer mitführt, per SMS bei einem Freund: „Ich kann nicht viel sagen aber der Druck war groß. Ich bin nicht in Moskau, jetzt relativ frei“, zitiert ihn das deutsche Portal „queer.de“. Weitere Informationen oder eine Bestätigung für diese SMS gibt es derzeit aber nicht. Auch die Seite GayRussia.ru, die über die Verhaftung Alexejews berichtet, ist derzeit nicht erreichbar – wegen Problemen mit der Datenbank.

Zuvor berichtete die Seite, dass die Behörden von Alexejew verlangt hätten, seine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die Untersagung der Parade in Moskau zurückzuziehen. Außerdem soll er eine Demonstration anlässlich des Geburtstages des offen schwulenfeindlichen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow absagen. Aktivisten wollen mit dieser Demonstration dagegen protestieren, dass ein russisches Gericht vor kurzem entschieden hat, dass es nicht beleidigend ist, wenn Luschkow Schwule in den Medien als „gomiki“, auf Deutsch etwa „Schwuchteln“, bezeichnet.

Unterdessen wächst langsam der internationale Druck der lesbischwulen Community: Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen, rief zu einem „Phonemob“ auf: Punkt 11.30 Uhr sollten sich Aktivisten bei der russischen Botschaft in Berlin telefonisch nach Alexejew erkundigen. „Putins Regime ist nervös“, so Beck auf seinem Facebook-Profil. In den USA wurde außerdem zu Demonstrationen und Mahnwachen vor russischen Konsulaten aufgerufen.