Alexejew bleibt weiter verschwunden

Weiter unklar ist der Verbleib des russischen Lesben- und Schwulenaktivist Nikolai Alexejew. Hinweise, dass er sich im weißrussischen Minsk in Sicherheit befinden dürfte, werden mittlerweile massiv angezweifelt. Das berichtet das deutsche Online-Portal „queer.de“ in seinem Liveticker. Alexejew wurde Mittwoch abend von unbekannten Sicherheitskräften daran gehindert, sein Flugzeug nach Genf zu besteigen und verschwand daraufhin.

Gestern tauchte am späten Nachmittag die Meldung auf, Alexejew sei in der weißrussischen Hauptstadt Minsk in Sicherheit. Informationen des britischen Portals UK Gay News zufolge sollte er heute im Laufe des Tages nach Westeuropa ausreisen. „Ich glaube, die ganze Geschichte ist bald vorbei“, sagte noch vor wenigen Stunden Alexejews Freund, der in der Schweiz lebt, der Website. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete hingegen, dass er in Weißrussland Asyl beantragen möchte.

Allerdings konnte bis jetzt noch niemand mit Alexejew sprechen. Derzeit gibt es nur SMS, die über sein Zweithandy, das er für Notfälle hat, verschickt werden. Ein weißrussischer Aktivist, der derzeit zu Besuch in Deutschland ist, erklärte gegenüber „queer.de“, dass die Behörden bereits beim Moscow Pride 2009 SMS von Alexejew fälschten, als dieser im Gefängnis saß. Es scheint auch unwahrscheinlich, dass Beamte ihm sein Mobiltelefon abnahmen und bei der Durchsuchung ein zweites Handy übersahen. Auch Nikolai Baev, Mitorganisator der Moscow Pride, vermutete gegenüber der BBC, die SMS könnten „unter Druck“ entstanden oder gefälscht sein. Mehr als auffällig ist außerdem, dass Alexejew in Minsk noch mit keinem der dortigen Aktivisten Kontakt aufgenommen hat, obwohl er sehr gute Kontakte zur dortigen Lesben- und Schwulenszene hat und schon seit einem Tag in der Stadt sein soll.

Auch in Minsk gibt es keine offizielle Bestätigung dafür, dass Alexejew in der Stadt sein soll. Weißrussische Behörden verweigerten gegenüber dem russischsprachigen Dienst der BBC jeden Kommentar.

Grund für das Verschwinden von Alexejew dürften seine Klagen beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sein. Alexejew hatte gegen ein Verbot der Lesben- und Schwulenparaden der letzten fünf Jahre geklagt. „Ich wurde in eine Polizeistation in einer Kleinstadt gebracht und wurde dort verhört“, schrieb Alexejew gestern Interfax per SMS. „Sie haben von mir verlangt, dass ich ein vorbereitetes Papier unterschreibe, dass ich die Klagen wegen der Lesben- und Schwulenparaden vor dem Europäischen Gerichtshof zurückziehe“, so der Aktivist weiter.

Ob er das Papier wirklich unterschrieben hat, ist ebenfalls unklar. Einige Medien berichten, dass Alexejew praktisch aus Russland ausgewiesen wurde und das Land erst nach dem Rückzug der Klage wieder betreten darf. Unabhängige Bestätigungen gibt es auch dafür nicht.

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