„Schwuler Bischof kein Problem – wenn er keinen Sex hat“

Ein neues Kapitel gibt es in der Haltung der anglikanischen Kirche zu schwulen und lesbischen Geistlichen. Rowan Williams, als Erzbischof von Canterbury das geistliche Oberhaupt der Church of England, kann sich homosexuelle Bischöfe vorstellen – wenn sie keinen Sex haben. Das sagte er in einem ausführlichen Interview mit der britischen Zeitung „The Times“.

Seit langem gibt es unter Anglikanern eine heftige Diskussion darüber, wie schwulen und lesbischen Geistlichen umgegangen werden soll. Schwule Priester sind in der Church of England seit 1991 offiziell geduldet. Williams sagte, er selbst habe kein Problem mit ihnen, sie könnten seiner Meinung nach auch Bischof werden. Allerdings müssten sie dann zölibatär leben. „Tradition und Standards“ des Bischofsamtes erlaubten es nicht, die Homosexualität im Amt auch „aktiv auszuleben“, so der Erzbischof: „Der Preis für die Kirche wäre untragbar hoch.“ Für heterosexuelle Beziehungen gelten diese Einschränkungen nicht.

Diese Einschränkung trifft vor allem Jeffery John: Der anerkannte Theologe, der derzeit als Dekan von St. Albans einen hohen Posten innerhalb der anglikanischen Kirche innehat, wurde bereits zum zweiten Mal bei einer Bischofsernennung übergangen. Er lebt seit 2006 in einer Eingetragenen Partnerschaft mit einem Mann, betont aber, zölibatär zu leben.

Die Church of England hat rund 25 Millionen Gläubige und ist die Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft mit weltweit 77 Millionen Gläubigen. Ein offen schwuler Bischof in England könnte massive Auswirkungen auf die anglikanische Gemeinschaft haben – konservative Landeskirchen, vor allem in Afrika und den USA, sind offen homophob und haben mit einer Kirchenspaltung gedroht.