Keine Strafe nach homophober Prügelei

Keine Strafe gibt es vorerst für jenen jungen Mann, der im September 2009 in Hamburg mit drei Bekannten einen US-Austauschstudenten krankenhausreif geprügelt hat, weil er dachte, dieser sei schwul.

Der gehbehinderte Joshua S. ging mit einem Freund in St. Georg spazieren. Beim Hansaplatz werden sie von vier Jugendlichen, darunter der 20-jährige Adrian M., angepöbelt: „Seid ihr schwul oder was? Schwulis“, riefen die Burschen den Männern zu. Weil die Männer nicht reagieren, greifen die Jugendlichen an. Sie treten auf den 28-jährigen ein, selbst als dieser schon am Boden liegt. Er erleidet Prellungen und eine Platzwunde.

Nachdem Adrians Tante ihren Neffen auf den Bildern der Überwachungskameras erkennt, die von der Polizei veröffentlicht wurden, ging der Bursche, der nach der Schilderung seines Anwalts geistig behindert ist, gemeinsam mit seiner Mutter zur Polizei und zeigte sich selbst an. Die anderen drei Burschen, so Adrian M., kenne er nur vom Sehen.

Als Motiv für die Tat gibt der 20-Jährige vor Gericht an: „Die haben Englisch gesprochen und ich wusste nicht, was. Das hat mich provoziert.“ Sein Anwalt erklärt das Verhalten seines Mandanten mit „Alkohol und Gruppendynamik“. Aufgrund seiner Behinderung forderte der Anwalt des Täters eine Betreuung, der Staatsanwalt forderte eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung. Das Gericht setzt die Strafe für ein Jahr aus – dann entscheidet der Richter, ob der junge Mann eine Jugendstrafe bekommt. „Das ist eine Chance für Sie“, so der Richter. „Aber auch gleichzeitig sehr gefährlich, weil wir eine hohe Strafe verhängen können, wenn Sie wieder Dummheiten machen.“