Erster offen schwuler Bischof tritt zurück

Der erste offen schwule Bischof der anglikanischen Kirche gibt auf: Gene Robinson, Bischof der Diözese New Hampshire, will sein Amt mit 5. Jänner 2013 zur Verfügung stellen. Grund dafür: Durch seine Homosexualität stand nicht nur er seit seiner Wahl im Jahr 2003 in der Schusslinie, sondern auch seine Familie.

Die Ankündigung erfolgte während der jährlichen Synode seiner Diözese. Um für eine geregelte Übergabe des Amtes zu sorgen, schlug er auch die Wahl eines Co-Adjutors und späteren Nachfolgers vor.

Auf seiner Website erklärte Robinson die Gründe für seinen Rücktritt: „Todesdrohungen und die weltweite Kontroverse um meine Wahl zum Bischof haben nicht nur mich belastet, sondern auch meinen geliebten Ehemann Mark, der mir treu in jeder Minute der letzten sieben Jahre zur Seite stand“, erklärt der 63-Jährige. Die letzten sieben Jahre hätten „ihren Tribut von mir, meiner Familie und von Ihnen gefordert“, schreibt er den Kirchenmitgliedern seiner Diözese.

Die Wahl Robinsons führte vor allem bei konservativen Anglikanern zu heftigen Protesten. Die Atmosphäre heizte sich so auf, dass der Bischof bei seiner Amtseinführung und anderen öffentlichen Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen eine schusssicheren Weste tragen musste.

Auch führte seine Wahl beinahe zu einer Spaltung zwischen liberalen Anglikanern, vor allem aus Europa und Nordamerika, und dem konservativen Kirchenflügel, der überwiegend in Afrika und Asien stark vertreten ist. Mittlerweile haben sich auch konservative Anglikaner in den USA von der offiziellen Mutterkirche abgespalten und bilden eine eigene Gruppierung, die von der Weltkirche aber noch nicht akzeptiert wird.

Doch auch, wenn Gene Robinson sein Bischofsamt zurücklegt, will er weiterhin in der Seelsorge arbeiten. Ein besonderes Anliegen seien ihm dabei „Menschen, die Gottes unglaubliche Liebe nie erfahren haben oder die im Namen Gottes schlecht behandelt wurden“. Deshalb will er auch einen Schwerpunkt in der College-Seelsorge setzen. Er wies besonders auf jene Jugendlichen hin, die Selbstmord begangen hatten, weil sie „von ihrer eigenen Religion lernten, dass ihr Leben abscheulich und hoffnungslos sei“, so Robinson.