Schwuler Roma soll in Kosovo abgeschoben werden

In Deutschland soll ein schwuler Roma, der seit 20 Jahren im Land lebt, wegen kleiner Eigentumsdelikte in den Kosovo abgeschoben werden. Das berichtet das Magazin „Siegessäule“ in seiner Online-Ausgabe.

Dass dem 35-Jährigen in seiner alten Heimat wegen seiner sexuellen Orientierung Gefahr droht, ist dem zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durchaus bewusst – aber offenbar egal: „Im hier vorliegenden Fall ergeben sich Übergriffe/Diskriminierung allenfalls bei öffentlichkeitswirksamer Darstellung der eigenen Homosexualität“, heißt es im Ausweisungsbescheid. Eine konkrete, individuelle Gefahr für Leib und Leben des Antragstellers sei nicht erkennbar, so die Behörde.

Katharina Doumler, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD), kann bei dieser Argumentation nur den Kopf schütteln: Der Bescheid sei „offen homosexuellenfeindlich“, wirft sie der Behörde vor. Sogar das deutsche Außenministerium hätte wiederholt darauf hingewiesen, dass Lesben und Schwule im Kosovo in Gefahr sind. „Gerade angesichts der Geschichte der Homosexuellenverfolgung in Deutschland stehen Politik und Öffentlichkeit in einer besonderen Verantwortung, auch die Sicherheit und das Recht von Lesben und Schwulen zu schützen“, so Doumler gegenüber der „Siegessäule“.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wollte sich zu dem Einzelfall nicht äußern. Ein Sprecher erklärte aber, dass Ausländer grundsätzlich nicht in einen Staat abgeschoben werden würden, in dem ihr Leben oder ihre Freiheit etwa wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe bedroht sei.

Doch das scheint – trotz den Warnungen des Außenministeriums – im konkreten Fall nicht so zu sein, wenn der Betroffene seine Homosexualität nicht „öffentlichwirksam darstellt“, wie es die zuständige Ausländerbehörde in Bielefeld im Ausweisungsbescheid feststellt.

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