Homo-Kuss für 85% der muslimischen Schüler „ekelhaft“

Auf Initiative eines Lehrers hat sich eine Klasse der berufsbildenden „Schulzentrum Walliser Straße“ in Bremen mit dem Thema Homophobie beschäftigt. Dazu haben die Schüler auch 968 Mitschüler befragt – und kamen zu teils beunruhigenden Resultaten. Besonders weit verbreitet sind homophobe Ansichten dabei bei gläubigen Burschen – egal, ob sie christlich oder islamisch erzogen wurden.

„Wenn ein Keks nicht schmeckt, ist er ‚schwul, ey!'“, erklärt der Wirtschafts- und Politiklehrer Hans-Wolfram Stein der „Frankfurter Rundschau“ in einem Interview, warum er das Projekt machen wollte: „Die Homophoben haben die Meinungsführerschaft“ – das wollte er nicht länger hinnehmen. Deshalb hat er das Projekt ins Leben gerufen, bei dem sich die Klasse ein halbes Jahr lang mit dem Hass auf Lesben und Schwule beschäftigte.

Teil des Projekts war eine Meinungsumfrage unter 968 Schülern des Schulzentrums und der benachbarten Gesamtschule Ost. Die Ergebnisse der Umfrage geben Grund zur Beunruhigung: 40 Prozent der muslimischen, 23 Prozent der katholischen und zwölf Prozent der evangelischen Jugendlichen halte Homosexualität noch immer für eine Krankheit. Bei den Nichtgläubigen waren es knapp elf Prozent.

Mindestens „unmoralisch“ ist Homosexualität für 62 Prozent der befragten Muslime, 39 Prozent der Katholiken, 26 Prozent der Protestanten und immerhin 20 Prozent der Nichtgläubigen. Für 85 Prozent der Muslime sind auch gleichgeschlechtliche Küsse in der Öffentlichkeit „ekelhaft“, bei den Nichtgläubigen liegt dieser Wert noch immer bei 46 Prozent.

Allerdings ist für gut 80 Prozent der Befragten, quer durch alle einzelnen Gruppen, Homosexualität „Privatsache“. Für Stein ist dieser Wert zumindest „ein guter Ansatzpunkt“.

Auffallend ist auch, dass nicht alle Schülern gleich viel Probleme mit Lesben und Schwulen haben: Burschen und Migranten sind etwa doppelt so homophob wie Mädchen oder deutsche Schüler.

Doch nicht alle Lehrer sind dazu geeignet, mit den Schülern über dieses Thema zu sprechen. Das ergab eine zweite Umfrage, die von den Schülern unter 91 Lehrern gemacht haben. Knapp fünf Prozent der befragten Pädagogen fanden Homosexualität unmoralisch, aber doppelt so viele nannten öffentliches Küssen ekelhaft.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine aktuelle Studie des Wiener Instituts für Jugendkulturforschung: Deren Erkenntnissen zufolge sind mehr als ein Drittel der jungen Türken und Araber in Wien der Ansicht, Homosexualität sei unnatürlich. Allerdings sind auch 22 Prozent der befragten jungen Österreicher dieser Meinung.