Tschechien misst Erektion schwuler Asylwerber

Harte Kritik gibt es an der tschechischen Regierung: Sie wendet bei Asylwerbern, die wegen ihrer Homosexualität verfolgt werden, einen „phallometrischen Test“ an, um ihre sexuelle Orientierung zu testen. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Europäischen Grundrechtsagentur (FRA) in Wien hervor.

Dabei wird die Schwellung des Penis bei verschiedenen sexuellen Reizen gemessen – in diesem Fall beim Betrachten heterosexueller Pornos. Reagiert der Asylwerber auf diese Reize, gilt er als hetero. Dass der Test zum Beispiel bei bisexuellen Asylwerbern ein falsches Ergebnis liefert, nimmt die Regierung offenbar in Kauf. Nach Angaben von Innenminister Radek John wird dieser Test nur verwendet, „wenn es bei der Befragung Unsicherheiten gegeben hat“.

Dieser Test verletzt die Menschenrechte, so die FRA, die diese auch inhumane oder entwürdigende Behandlungen verbiete. Außerdem könnte der Test auch das Recht auf Privatsphäre verletzen.

Generell können Asylbewerber nicht zu dem Test gezwungen werden. Willigen sie trotzdem ein, müssen sie vorher genau darüber aufgeklärt werden, wie der Test funktioniert. Wer den Test verweigert, könnte aber von den Behörden aber automatisch als Lügner angesehen werden, so die Befürchtungen.

Doch Tschechien ist nicht das einzige Land der EU, das die sexuelle Orientierung homosexueller Asylwerber testet: In Ungarn überprüft ein Psychiater im Zweifelsfall die sexuelle Orientierung der Asylwerber. Damit handeln sie gegen die Empfehlung der UNO-Flüchtlingsagentur, für die die „Selbstidentifikation als Lesbe, Schwuler, Bisexueller oder Transgender als Anzeichen der sexuellen Orientierung des Einzelnen gesehen werden soll“