Ethik-Unterricht für Papst „Angriff auf Religionsfreiheit“

Eine etwas eigenwillige Definition von Religionsfreiheit dürfte Papst Benedikt XVI. haben. In seiner Neujahrsansprache an die Vatikan-Botschafter am Montag hat er Aufklärungsunterricht an Schulen als „Angriff auf die Religionsfreiheit“ bezeichnet.

Konkret greift der Papst damit wieder Spanien an. Im überwiegend katholischen Land mit sozialistischem Regierungschef wurde vor drei Jahren ein Lebenskunde-Kurs eingeführt, der liberale Werte fördern soll und in dem auch Themen wie Homosexualität, Scheidung und Abtreibung offen angesprochen werden. Tausende katholisch-konservative Eltern hatten den Kurs als „anti-christlich“ verunglimpft.

Dem entsprechend findet der Papst harte Worte gegen den Kurs: „Angesichts des erneuten Angriffs auf die Religionsfreiheit von Familien in bestimmten europäischen Ländern, in denen die Teilnahme an Aufklärungskursen und Lebenskunde verlangt wird, kann ich nicht schweigen“, so Benedikt. Die Kurse wollten eine neutrale Wahrnehmung widerspiegeln, vermittelten in Wahrheit aber eine gegen den Glauben und die Vernunft gerichtete Lehre, ist sich der Papst sicher. Für ihn handelt es sich bei dem spanischen Lebenskunde-Kurs um ein Beispiel der „Bedrohungen gegen die kulturellen Wurzeln, die der Identität und des sozialen Zusammenhalts vieler Nationen zugrunde liegen“.