„Katholische Kirche muss Einstellung zu Homosexualität ändern“

Ein Umdenken der römisch-katholischen Kirche im Umgang mit Homosexualität fordert der deutsche Jesuitenpater Klaus Mertes.

„Es gibt eine infame Tendenz in der Kirche bis in höchste Ämter, Homosexuelle zu sexuellen Monstern hochzustilisieren. Ich werde jedem der in der Kirche diskriminierten Homosexuellen, der sich als solcher zu erkennen gibt, immer zur Seite stehen und die Prügel mit ihm einstecken, die man dafür kriegt. Ich halte es für wichtig, dass Homosexuelle in der Kirche das Recht haben, in der Ich-Form über eigene Sexualität zu sprechen. Ich lebe in der Ordensgemeinschaft im Frieden mit homosexuellen Mitbrüdern zusammen. Sobald man diese Dinge in der Ich-Form aussprechen kann, ist das auch nicht mehr das Haupt-Thema! Das ist es nur, wo es dauernd unausgesprochen im Raum steht. Und wird erst aufgebrochen durch das Sprechen im Singular über die eigene Sexualität“, sagte Mertes, der auch Direktor des Canisius-Kollegs ist, in einem Gespräch mit dem Sexualforscher Klaus Beier für den Berliner „Tagesspiegel“. Die Kirche müsse an der Frage arbeiten, wie sie mit sexuellen Minderheiten in den eigenen Reihen umgeht.

Auch das Canisius-Kolleg war von Missbrauchsfällen betroffen, Mertes leitete Anfang letzten Jahres ungewöhnlich offene Nachforschungen zu den Taten ein. Dass die Täter so lange ihr Unwesen treiben konnten, liegt für den Pater auch an der römisch-katholischen Sexualmoral: „Wenn ich selbst im Bereich Sexualität sprachlos bin, kann ich nicht zuhören, sobald ein Täter oder ein Opfer zu mir spricht.“ Zukünftig müsse die Kirche bei Missbrauchsfällen den Opfern wieder mehr Vertrauen entgegenbringen.

Mertes hofft, dass durch die Erzählungen von Opfern auch in der Kirche eine veränderte Perspektive zu dem Thema entsteht, „die so schmerzhaft ist, dass sie Veränderungen notwendig macht“.