Schwules Paar in IKEA-Werbung erzürnt Berlusconi-Zeitung

Für Aufregung im konservativen Sizilien sorgt der schwedische Möbelkonzern IKEA. In einer Werbeanzeige für das Möbelhaus in Catania wirbt nämlich ein schwules Paar für das Bonusprogramm „IKEA Family“.

„Wir sind für alle Familien offen“, steht über dem Bild von zwei Männern, die Händchen halten und die obligatorische gelbe Plastiktasche tragen. Darunter der Text: „Mit uns fühlst du dich zu Hause. Wir wollen das Leben für jeden einfacher machen, jede Familie, jedes Paar, wer immer sie sind.“

Eigentlich eine nette, unauffällige Werbung für das frisch eröffnete Möbelhaus – außer im konservativen Sizilien. Denn hier zählen noch traditionelle Werte, zumindest für jene Teile der Presse, die dem Berlusconi-Konzern gehört.

Diese folgt dem Wort ihres Führers. Und weil dieser erst vor Kurzem ausgeschlossen hat, gleichgeschlechtlichen Paaren jemals die gleichen Rechte wie Ehepaaren zu geben folgt ihm auch die Tageszeitung „Il Giornale“. In einem Kommentar bezeichnet sie die Anzeige eine „Provokation“.

Dabei bedient sie sich eines Kunstgriffs, um nicht als offen homophob zu gelten: In einem Kommentar beschuldigt die Zeitung IKEA des „schwedischen Imperialismus“. Dieser betreibe „Gleichmacherei“ mit seinen „billigen Möbeln“, heißt es weiter.

Außerdem wolle sich IKEA gar nicht für die Rechte von Lesben und Schwulen einsetzen, so die Berlusconi-Zeitung weiter. Der schwedische Konzern wolle nur „Aufmerksamkeit provozieren“.

Diese hat IKEA jetzt auch – aber nicht durch seine Anzeige, sondern durch den Kommentar dagegen. So begrüßt der Blog „Queer Italy“ die Anzeige: „Nichts ist für unsere bigotten Fanatiker und Homophoben unverdaulicher, als wenn sie das Wort ‚Familie‘ zusammen mit ‚gleichgeschlechtlich‘ lesen müssen.“ Man hoffe, dass sich andere Firmen ein Beispiel an IKEA nehmen „und progressiv und modern nach vorne sehen, anstelle rückwärts gewandt ins Mittelalter“.

Für IKEA ist Werbung mit gleichgeschlechtlichen Paaren nichts Neues: Das erste Mal wurde 1994 ein Esstisch mit einem schwulen Paar präsentiert. Neuestes Beispiel sind die „Florian“-Spots, die von IKEA Österreich produziert wurden.