[Video] Brüssler Erzbischof vierfach getortet

Das Bewerfen unliebsamer Personen mit Torten kennt man in Österreich bestenfalls von einem Anschlag, den Unbekannte vor laufender ORF-Kamera gegen den politisch nur mäßigt begabten FPÖ-Wien-Chef Hilmar Kabas verübten.

In Belgien würde man sich damit nicht zufrieden geben: Dort wurde nun der höchste Vertreter der römisch-katholischen Kirche für seine homofeindliche Haltung getortet – und das gleich vier mal.

Der Brüssler Erzbischof André-Joseph Léonard wollte Dienstag abend das Gebäude der katholischen Louvain-La-Neuve-Universität betreten, um an einer Diskussion teilzunehmen – da traf ihn die erste Torte. Der Kardinal machte sich sauber und ging weiter in den Saal, in dem die Veranstaltung stattfand. Dort stürmten drei weitere Aktivisten mit Torten auf den Vorsitzenden der belgischen Bischofskonferenz. Die Werfer konnten vom Sicherheitsdienst nicht festgehalten werden.

Wie einer der Aktivisten später dem staatlichen französischsprachigen Fernsehsender RTBF erklärte, erfolgte der Anschlag im Namen „aller Schwulen und Lesben, die ihre Homosexualität verheimlichen müssen“.

Denn Léonard ist innerhalb der katholischen Kirche Belgiens eine der lautesten Stimmen, wenn es gegen Lesben und Schwule geht. So hat er sie etwa mit Essgestörten verglichen und gemeint, sie müssten sich wegen ihres Defekts behandeln lassen. In einem Buch, das im letzten Jahr erschien, meinte er außerdem, HIV-Positive seien für ihre Infektion selbst verantwortlich und ihre Infektion sei eine „Art von immanenter Gerechtigkeit“ für den Missbrauch der Liebe.

Für Léonard war es nicht die erste Tortung: Erst zu Allerheiligen wurde er bei einem Gottesdienst im Dom von Brüssel von einer Ladung Schlagobers getroffen. Auch damals konnten die Werfer unerkannt entkommen. Schmackhaft war die Aktion für den umstrittenen Geistlichen aber wahrscheinlich nicht – bei den Torten handelte es sich Jounalisten-Recherchen zufolge nicht um schmackhafte Cremetorten, sondern nur um Pizzateig mit Schlagobers.