Keine Homo-Rechte beim Gewinner des Song Contests

Am Sonntag, dem 15. Mai, 24 Minuten nach Mitternacht, stand es fest: Aserbaidschan gewinnt mit 221 Punkten in Düsseldorf den 56. Song Contest der Geschichte. Damit werden im Mai 2012 auch viele schwule und lesbische Fans in die aserbaidschanische Hauptstadt Baku reisen – und dort wahrscheinlich nicht auf den Straßen zu ihrer sexuellen Orientierung stehen können.

Dass der Song Contest in einem lesben- und schwulenfeindlichen Umfeld stattfindet, sind eingefleischte Fans gewohnt – schließlich galt auch in Belgrad im Jahr 2008 und in Moskau ein Jahr später die Devise, bestenfalls in der Halle mit Regenbogenflaggen zu wehen. Doch in diesen Ländern gab es zumindest eine Lesben- und Schwulenszene. Aserbaidschan kommt im weltgrößten schwulen Reiseführer „Spartacus“ nicht einmal vor.

Offizielle Berichte bestätigen dieses triste Bild: Im „Rainbow Europe Country Index“ der Lesben- und Schwulenorganisation ILGA Europe erreicht Aserbaidschan von zehn möglichen Punkten keinen einzigen. Noch schlechter ist die Situation für Lesben und Schwulen nur noch in Weißrussland, Moldau, der Türkei, Russland und der Ukraine – diese Länder haben mit diskriminierenden Gesetzen sogar Negativ-Punkte im Europa-Index bekommen.

Dabei ist Homosexualität in dem Kaukasus-Staat seit dem Jahr 2000 legal, zuvor gab es für gleichgeschlechtlichen Sex mehrjährige Haftstrafen. Allerdings berichtet die Helsinki-Föderation für Menschenrechte, dass die Polizei schwule Männer immer wieder diskriminiert, beschimpft und misshandelt. Oft lässt sie diese erst wieder gehen, wenn sie die Beamten für ihre Entlassung bestochen haben.

Die staatlich kontrollierten Medien in Aserbaidschan benutzen Homosexualität auch gerne, um Oppositionspolitiker, Kritiker oder unabhängige Journalisten zu diskreditieren. Das geht aus einem Bericht der UNO-Menschenrechtsorganisation UNHCR hervor.

Dass sich die Lage der Menschenrechte in Aserbaidschan im Umfeld des Eurovision Song Contest bessert, ist die Hoffnung vieler Beobachter. Sie haben offenbar schon vergessen, dass in Moskau die Lesben- und Schwulenparade am gleichen Tag niedergeprügelt wurde, an dem in der Halle der Song Contest stattfand.