Amnesty kritisiert Situation von Lesben und Schwulen in der Türkei

Der türkische Staat ignoriert Belästigungen, Diskriminierungen und Gewalt gegen Lesben, Schwule und Transgender. Das geht aus einem neuen Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hervor.

Amnesty kritisiert dabei, dass sich die türkische Regierung beharrlich weigert, Diskriminierung unter Strafe zu stellen und sich hochrangige Politiker ungestraft homophob äußern können. So wurde Frauenministerin Selma Aliye Kavaf im letzten Jahr nicht zurechtgewiesen, als sie Homosexualität als „biologische Störung“ und „Krankheit, die behandelt werden muss“ bezeichnete.

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass Lesben und Schwule in der Türkei ihre sexuelle Orientierung oft geheim halten müssen, um nicht diskriminiert, verfolgt oder bedroht zu werden. Zwar ist Homosexualität am Bosporus nicht strafbar, Betroffene müssen sich aber immer wieder vor Gericht wegen „unmoralischen Verhaltens“ verantworten. Auch werfen die Behörden schwulen, lesbischen und transgender Gewaltopfern oft vor, ihren Angreifern sexuelle Gefälligkeiten angeboten zu haben.

„Die überall vorhandenen Vorverurteilungen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in der Türkei und die Furcht vor Ausgrenzung und Angriffen bedeutet, dass sich viele gezwungen fühlen, ihre sexuelle Orientierung zu verschweigen, auch vor ihren Familien“, erklärt Andrew Gardner, der bei Amnesty für die Türkei zuständig ist.

Doch auch sonst werden Lesben, Schwule und Transgender in der Türkei diskriminiert, zeigt der Amnesty-Bericht auf. So wurden im Jahr 2006 alle Exemplare eines Schwulenmagazins wegen „Obszönitäten“ konfisziert, und ein Fernsehsender muss mindestens 100.000 Lira (mehr als 43.000 Euro) Strafe zahlen, weil er bei der Ausstrahlung von „Sex and the City 2“ die schwule Hochzeitsszene gezeigt hat.

Besonders gefährdet sind Amnesty zufolge Transgender-Frauen. Sie werden besonders oft bedroht oder von der Polizei schikaniert. Eine Umfrage, die letztes Jahr gemacht wurde, ergab, dass 89 Prozent der Befragten schikaniert wurden, während sie in Polizeigewahrsam waren. Auch haben Transgender fast keine Chance, einen normalen Job zu finden. Das drängt sie in die Prostitution und verstärkt so ihren sozialen Abstieg.