Neuer Berliner Erzbischof sorgt für Unmut bei Schwulen und Lesben

Deutliche Kritik von Lesben- und Schwulenaktivisten kommt an der Entscheidung des Vatikans, den konservativen Rainer Maria Woelki zum Erzbischof von Berlin zu ernennen.

Der 54-jährige, der vor seiner Ernennung Weihbischof in Köln war, gilt als extrem konservativ. So promovierte er an der Römischen Universität vom Heiligen Kreuz, die zur fundamentalistischen Laienorganisation Opus Dei gehört. Dem entsprechend ist er Lesben und Schwulen gegenüber feindlich eingestellt.

Wie das deutsche Wochenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, verhinderte Woelki im April die Diakonatsweihe des Katholiken Georg Schwikart verhindert. Die Begründung: Schwikart veröffentlichte vor acht Jahren in einem Aufklärungsbuch den Satz „Es gibt auch Männer, die Männer lieben“. Für Woelki ein Grund, um die Weihe zu verhindern: „Das verstößt aber gegen die Schöpfungsordnung.“

Dem entsprechend kritisch sehen Lesben- und Schwulenverbände die Ernennung Woelkis. „Die Katholische Kirche ist schlecht beraten, jemanden in die Hauptstadt zu schicken, der offenbar ein Problem mit Homosexuellen hat“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs dem „Tagesspiegel“. Und Ansgar Dietmar, Vorsitzender des sozialdemokratischen Homosexuellenverbandes „Schwusos“ legt nach: „Das wird den Dialog mit der katholischen Kirche erschweren“, fürchtet er. Für alle in der Katholischen Kirche engagierten Schwulen und Lesben seien Woelkis Äußerungen „ein Stoß vor den Kopf“, so Dietmar weiter.

„Große Sorge“ macht sich auch der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) wegen der Nähe des designierten Erzbischofs zum Opus Dei: „Umso mehr ist es notwendig, dass zwischen Rainer Maria Woelki und dem Vorstand des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg zeitnah ein Gespräch stattfindet“, hofft LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert.