Homosexualität für indischen Gesundheitsminister „Krankheit“

Unter Beschuss ist der indische Gesundheitsminister Ghulam Nabi Azad geraten. Am Vorabend einer HIV/Aids-Konferenz bezeichnete er Homosexualität in einer Ansprache vor Deligierten als „Krankheit“. Unter den Gästen war auch Premierminister Manmohan Singh.

Indischen Zeitungen zufolge sagte Azad, Homosexualität sei „unnatürlich“ und eine „Krankheit“. Sie sei aus anderen Ländern nach Indien gekommen und breite sich nun unkontrolliert aus. Dass Männer Sex mit Männern haben, sollte nicht passieren, so der Gesundheitsminister.

In Indien sorgten diese Äußerungen in mehreren Städten für Demonstrationen von Lesben- und Schwulenaktivisten. Sie fordern Azad zum Rücktritt auf. „Es ist schockierend, dass solche Kommentare ausgerechnet vom Gesundheitsminister kommen“, ärgert sich der Aktivist Mohnish Malhotra.

Kritik an Azads Aussagen kommt auch vom Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS). „Die sexuelle Orientierung darf kein Grund für Diskriminierung sein“, sagte UNAIDS-Chef Michel Sidibi. Er erinnerte auch daran, dass Homosexualität von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht als Krankheit eingestuft wird.

Homosexualität ist in Indien erst seit zwei Jahren erlaubt: Der Oberste Gerichtshof hatte ein 150 Jahre altes Verbot aufgehoben, das noch aus der Kolonialzeit stammte: Der entsprechende Paragraph 377, mit dem Homosexualität mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft wurde, verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz, so die Richter.