Rudolf Brazda ist tot

Der wahrscheinlich letzte Überlebende nationalsozialistischer Gewalt gegen Schwule ist tot. Rudolf Brazda ist im Alter von 98 Jahren in einem Krankenhaus im Elsaß gestorben. Das berichtet das Infoportal „queer.de“.

„Rudolf ist am 3- August friedlich im Schlaf gestorben“, gaben seine Verwandten bekannt. Der Sohn tschechischer Einwanderer lebte mit seinem damaligen Partner im thüringischen Meuselwitz zusammen, als er 1937 denunziert wurde. Zunächst kam er wegen „unnatürlichen Verhaltens“ in U-Haft, dann wurde er zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt und des Landes verwiesen. Er ging danach ins tschechische Karlsbad, wo er auch nach dem Einmarsch der Nazis blieb. 1941 musste er erneut für sechs Monate ins Gefängnis,.

Ein Jahr später wurde er einer der rund 650 schwulen Inhaftierten des KZ Buchenwald. Diese mussten auf ihren Uniformen ein rosa Dreieck, den „Winkel“ tragen. Brazda wurde von der harten Arbeit im Steinbruch verschont, weil ein politischer Häftling, der als Aufseher arbeitete, ein Auge auf ihn geworfen hatte. Ein anderer Aufseher bewahrte Brazda vom Todesmarsch, indem er ihn ihn einem Schweinestall versteckte. Am 11. April 1945 wurde das Konzentrationslager von der US-Armee befreit.

Nach dem Krieg zog Brazda zunächst mit einem anderen Häftling in dessen Heimat nach Süddeutschland. 1947 traf er seinen Lebensgefährten Eduard, mit dem er bis zu dessen Tod im Jahr 2002 zusammen bleib. Zusammen zogen sie ins französische Mulhouse, wo Homosexualität nicht mehr unter Strafe stand. Anfang der 1970er zogen sie wieder nach Süddeutschland.

Bekannt wurde die Geschichte Brazdas durch einen Zufall: Im Fernsehen sah Brazdas Nichte vor drei Jahren einen Bericht über das Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Homosexuellen in Berlin. Bis dahin dachte man, der letzte Häftling mit einem rosa Winkel sei bereits verstorben. Daraufhin meldete sich Brazdas Nichte und erzählte die Geschichte ihres Onkels. Zwar schaffte es der inzwischen 95-Jährige nicht mehr zur Eröffnung, wenige Wochen später konnte er anlässlich des Berliner CSD das Mahnmal mit Bürgermeister Klaus Wowereit besuchen.

Seine Geschichte fand großes Interesse: Im April bekam Brazda den Orden der Ehrenlegion, die höchste Auszeichnung Frankreichs. Der „Spiegel“ widmete ihm erst vor einem Monat einen ausführlichen Beitrag.

Brazda soll nächste Woche auf eigenen Wunsch eingeäschert werden. Die Asche soll neben der seines langjährigen Lebenspartners Eduard, der vor acht Jahren verstarb, verstreut werden.

Links zum Thema