Polnisches Parlament wird bunter

Lange Zeit waren Meldungen über Lesben und Schwule in Polen nur Berichte über verbale Ausritte christlich-konservativer Politiker. Nach der aktuellen Parlamentswahl ändert sich das: Nach dem Wahlsieg der antiklerikalen „Palinkot“-Partei, die auf Anhieb drittstärkste Kraft im Land wurde, ziehen erstmals ein offen schwuler Mann und eine Transgender-Frau ins Sejm, das polnische Parlament, ein.

Auch Parteigründer Janusz Palinkot, ehemals bunter Vogel der weiter regierenden rechtsliberalen Bürgerplattform PO, kämpfte in der Vergangenheit für die Rechte von Lesben und Schwulen. So erschien er 2007 bei einer Pressekonferenz mit einem T-Shirt, auf dem „Ich bin schwul“ und „Ich bin von den Sozialdemokraten“ zu lesen war – mit der Begründung, dass beide Gruppen geschützt werden müssten. 2009 beschuldigte er den erzkonservativen Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski, seine Homosexualität zu verheimlichen. Nun zieht er mit der transsexuellen Bürgerrechtlerin Anna Grodzka und dem schwulen Robert Biedroń ins polnische Parlament ein.

Damit könnte sich die rechtliche Lage für Lesben und Schwulen in Polen tatsächlich ändern: Denn auch die Sozialisten haben sich immer wieder dafür eingesetzt, dass Lesben und Schwule mehr Rechte bekommen sollten – genau wissend, dass sie von der dafür notwendigen Mehrheit meilenweit entfernt sind.