Zypriotischer Ex-Minister wegen „Homo-Massage“ vor Gericht

Im Konflikt um die Wiedervereinigung Zyperns dürfte nun offenbar auch Homosexualität als Waffe benutzt werden. Wie der Blogger Markus Bey in der Online-Ausgabe der Tageszeitung „Der Standard“ berichtet, ist der ehemalige griechisch-zypriotische Finanzminister Michalis Sarris letzten Donnerstag im türkischen Nordteil der Insel festgenommen worden. Der Vorwurf: Angeblich hat er sich von einem minderjährigen Türken „massieren“ lassen. Im türkischen Teil Zyperns stehen bis zu fünf Jahre Haft auf Homosexualität. Sarris bestreitet alle Vorwürfe. Wie sein Anwalt erklärt, habe sich Sarris von dem 17-jährigen für 20 Euro wirklich nur massieren lassen. Er dürfte sich noch im Gefängnis von Lefkoşa, dem türkischen Teil der Hauptstadt, befinden.

Der politische Karriere von Sarris ist damit voraussichtlich zu Ende. Den nordzypriotischen Politikern dürfte das nicht unrecht sein. Denn der ehemalige Weltbankbeamte führt die Untergruppe Wirtschaft bei den von den Vereinten Nationen organisierten Gesprächen über eine Wiedervereinigung der Insel.

Die Verhaftung von Sarris zeigt die überholten Moralvorstellungen auf der Mittelmeerinsel, erklärt Bey: Die Gesetze im Norden seien „das Produkt eines offensichtlich sehr natürlichen Akts, den altes britisches Kolonialrecht und konservativ-muslimisches Denken eingegangen sind.“ Wobei auch der Süden in diesem Punkt nicht wirklich fortschrittlich ist. Homosexualität wurde erst nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 1998 straffrei gestellt.

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