Widersprüche bei Prozess gegen Cruising-Mörder

Außerordentlich schwierig gestaltet sich der Prozess gegen jenen 56-jährigen Mann, der im Mai und Juni 2010 zwei Cruiser auf Autobahnparkplätzen ermordet haben soll. Die Indizien sind dürftig, die Polizei dürfte schlampig ermittelt haben.

Verhaftet wurde Detlef S., ein Postbeamter in Frühpension, weil er angeblich am Marktplatz im süddeutschen Freudenstadt einen Belgier überfallen wollte. Auf dem Marktplatz wurde dann ein Zigarettenstummel gefunden, der die gleiche DNA aufwies wie beim ersten Tatort in Magstadt, als ein 30-jähriger erschossen wurde. Allerdings kann sich das Opfer des Marktplatz-Überfalls an eine Tätowierung erinnern, die Detlef S. nicht hat. Und dieser Zeuge ist bis jetzt keiner Vorladung des Gerichts gefolgt. Die Verbindung zu dem zweiten Mord ist noch dürftiger: Es gibt keine DNA-Spuren, lediglich die Kugel ist die gleiche wie bei dem ersten Mord. Auch ein nachvollziehbares Motiv für die Taten ist bei Detlef S., der vor Gericht beharrlich schweigt, nicht zu finden. Der Prozess zieht sich nun schon über sechs Wochen.

Dafür leistete sich die Polizei bei der Suche nach dem Täter einige Pannen: So hatte sie zunächst jenen Mann verhaftet, der die erste Leiche gefunden hatte. Die Beamten vermuteten eine Verbindung weil er, wie das Opfer, bei der Bundeswehr war. Ein Mann, der wegen des zweiten Mordes fälschlich zwei Wochen im Gefängnis war, hat sogar Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die hessische Polizei erhoben. Sein Vorwurf: Festnahme und die mediale Berichterstattung gefährdeten die berufliche Existenz des Mannes, der als Unternehmensberater tätig ist. Er bezeichnet seine Verhaftung als „perfekt inszenierte Imagekampagne der hessischen Polizei“.

Wenig überraschend, dass die Richterin im Prozess gegen Detlef S. wenig lobende Worte über die Ermittlungsarbeit findet. „Die Polizei hat das nicht wirklich gut eruiert“, sagte sie der „Stuttgarter Zeitung“.