Dänemark überlegt Ehe-Öffnung – auch in Kirchen

Als es um die Einführung Eingetragener Partnerschaften für Lesben und Schwule ging, war Dänemark weltweit führend. Bei der Öffnung der Ehe hinkt das skandinavische Land hingegen nach. Das könnte sich jetzt ändern.

Zumindest wenn es nach dem für Kirche und Gleichstellungsfragen zuständigen Minister Manu Sareen geht. Der 44-jährige Sohn indischer Einwanderer kündigte in der Tageszeitung „Jyllandsposten“ eine entsprechende Gesetzesinitiative an. Mit im Entwurf: Eine gleichwertige kirchliche Trauung.

„Ich habe viele Freunde, die homosexuell sind und nicht heiraten können. Sie lieben ihre Partner auf gleiche Weise wie Heterosexuelle, aber sie haben nicht das Recht, das auf gleiche Weise auszuleben. Das ist wirklich problematisch“, so der Minister. Er freue sich schon, „wenn das erste homosexuelle Paar aus der Kirche tritt. Ich werde da draußen stehen und Reis werfen“, kündigt Sareen an. Die Bevölkerung hat der Politiker auf jeden Fall auf seiner Seite: In den letzten Jahren waren jeweils um die 70 Prozent der Dänen in Umfragen für eine Ehe-Öffnung.

Problematisch dürfte es allerdings werden, die Ehe-Öffnung bei der Dänischen Volkskirche Kirche durchzusetzen. Diese ist die offizielle Staatskirche Dänemarks, alle Mitarbeiter werden vom Staat bezahlt. Im Jahr 2004 hatten sich bei einer Umfrage nur 40 Prozent der Geistlichen mit einer Öffnung der kirchlichen Ehe einverstanden erklärt. Priester Henrik Hojlund erklärte sogar in einem Interview, eine Öffnung der Ehe wäre „fatal“: „Die Kirche Dänemarks wird säkularisiert bis hin zum Altar in einem verzweifelten und falschen Versuch, den Zeitgeist auf halber Strecke zu treffen“, wettert er gegen die Gleichbehandlung.

Wenn Dänemark die Ehe für Lesben und Schwule öffnet, wäre es das achte Land Europas, das dies tut: In Spanien, Belgien, Schweden, Norwegen, Portugal, Island und den Niederlanden wurde die Ehe bereits in den letzten Jahren für schwule und lesbische Paare geöffnet.