Belgien bekommt doch schwulen Regierungschef

Belgien bekommt nun doch einen schwulen Regierungschef. Im letzten Moment ist es dem 60-jährigen Elio Di Rupo gelungen, 535 Tage nach den Parlamentswahlen eine Einigung zwischen den Parteien zustande zu bringen. Damit steht erstmals seit 37 Jahren wieder ein Politiker des französischsprachigen Südens an der Spitze der Regierung.

Das Markenzeichen des wallonischen Sozialisten ist seine rote Fliege. Für den Sohn italienischer Einwanderer ist seine neue Aufgabe die Krönung einer steinigen Karriere: Als er erst ein Jahr alt war,

starb sein Vater, ein Bergmann. Der kleine Elio und seine sechs Geschwister wuchsen in Armut auf. Dank Stipendien konnte Di Rupo Chemie studieren, promovierte und stieg an der Universität schnell zum sozialistischen Studentenführer auf. Nach seinem Wechsel in die Politik bekleidete Di Rupo zahlreiche Ämter, war belgischer Vize-Premier, wurde zweimal Ministerpräsident der Wallonie und ist seit 2001 Bürgermeister der Stadt Mons.

Di Rupo lebt offen schwul und gab in der Vergangenheit auch zu, die Dienste von Strichern in Anspruch genommen zu haben. Das wurde dem gelernten Chemiker 1996 während der Dutroux-Affäre fast zum Verhängnis: Rechtsextreme Politiker nutzten dieses Geständnis, um ihn in einen Topf mit Kinderschändern zu werfen.