Schwuler Kandidat in finnischer Präsidenten-Stichwahl

Am Sonntag wählt Finnland einen neuen Präsidenten. Und auch, wenn der konservative Sauli Niinistö als haushoher Favorit gilt, ist auch sein Gegenkandidat, der ehemalige Umweltminister Pekka Haavisto, schon jetzt ein Gewinner.

Als er seine Kandidatur bekanntgab, galt er als chancenlos. Dass der Grüne nun in der Stichwahl ist, gilt als deutliches Signal: Die letzten Wahlen haben noch die rechtspopulistischen „Wahren Finnen“ bestimmt, nun wurden sie von einem offen schwulen Kandidaten geschlagen. Er dürfte am Sonntag etwa 36 Prozent der Stimmen bekommen.

Für viele der 4,4 Millionen wahlberechtigten Finnen ist bei der Präsidentenwahl die Person wichtiger als die Partei. „Für viele ist es einfacher, einen Schwulen als einen Grünen zu wählen“, so Haavisto. Grüne Themen spielten daher in seinem Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle, ebensowenig wurde seine Homosexualität ausführlich thematisiert.

Aus dem Privatleben der Kandidaten erfuhren die Finnen aber trotzdem jede Menge. So lebt Haavisto mit seinem Lebenspartner Antonio Flores aus Ecuador in einer Eingetragenen Partnerschaft. Während Sauli Niinistös Ehefrau bei einer Wahl ihres Mannes angekündigt hat, als First Lady ihren Job aufzugeben, kündigte Haavisto an, dass Flores seinem Beruf als Friseur weiter nachgehen könne.

Im Wahlkampf überzeugte Haavisto durch sachliches und fachkundiges Auftreten. Politisch liegen seine Schwerpunkte bei sozialen Themen wie Armut und Gleichberechtigung. „Das sind die Themen, warum die Wähler in im letzten Jahre bei den Parlamentswahlen für die Wahren Finnen gestimmt hatten.“ Der 53-Jährige glaubt, dass die Wähler einen Präsidenten wünschen, der auch den Menschen zuhört. „Jetzt wird ein Präsident gewünscht, der sich gegen Ausgrenzung ausspricht“, so Haavisto.

Hier liegt er auf einer Linie mit seinem Gegenkandidaten. Auch in der Außenpolitik, die vom Präsidenten im Einvernehmen mit der Regierung gestaltet wird, sind die beiden Kandidaten häufig einer Meinung.