Tunesischer Menschenrechtsminister gegen Redefreiheit für Schwule

"Perversion" muss "medizinisch behandelt" werden, ist der Minister überzeugt

Flagge von Tunesien
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Auch, wenn die Welt die als „arabischen Frühling“ bekannte Reformbewegung bejubelt – für Lesben und Schwule herrscht in diesem Teil der Welt offenbar weiter Eiszeit. In einer Fernsehsendung mit dem homophoben Talkmaster Samir El-Wafi hat der tunesische Menschenrechtsminister Samir Dilou von der gemäßigt-islamischen „Ennahda“-Partei Homosexualität als „Perversion“ bezeichnet, die „medizinisch behandelt“ werden müsse.

„Redefreiheit hat Grenzen: Religion, Tradition und Zivilisation“, sagt der Minister

Außerdem sprach er sich dafür aus, das erst im März 2011 gegründete Lesben- und Schwulenmagazin „Gayday“ zu verbieten. Denn nach Meinung von Dilou haben Homosexuelle kein Recht auf freie Meinungsäußerung. „Ja, die Redefreiheit hat Grenzen. [Schwule] leben als Bürger in diesem Land, aber sie müssen die Grenzen akzeptieren, die von unserer Religion, Tradition und Zivilisation gesetzt werden“, sagte er in der Sendung.

Dilou machte klar, gegen die Veröffentlichung des Magazins zu sein, „obwohl ich der Menschenrechtsminister bin“. Dilou und El-Wafi machten klar, dass sexuelle Orientierung für sie kein Menschenrecht sei und „sexuelle Perversionen medizinisch behandelt werden müssen“.

Homophobie in Tunesien nimmt in den letzten Monaten stark zu

In einem Interview mit „Gay Star News“ bestätigt der Chefredakteur von „Gayday“, dass sich die Lage für Lesben und Schwule in Tunesien verschärft. Das Thema sei kein Tabu mehr: „Im Internet nimmt die Zahl an homophoben Posts gerade stark zu“, Homophobie werde als politische Waffe eingesetzt.

So machte zuletzt im Jänner ein verschwommenes Video die Runde, das Innenminister Ali Laarayedh mit einem Mann im Bett zeigen sollte. Nur wenige Tage zuvor war der Bruder des Justizministers freigelassen worden, nachdem er beschuldigt worden war, einen jungen Buben vergewaltigt zu haben.

Homosexualität wird in Tunesien mit drei Jahren Haft bestraft. Schwule werden nicht systematisch verfolgt, vereinzelt gibt es aber Übergriffe. Da Homosexualität als Zeichen westlicher Dekadenz gilt, ist ein offen schwules Leben in Tunesien praktisch unmöglich.