[Video] Geouteter Sheriff geht in die Offensive

Es waren anstrengende Tage für Paul Babeu, Sheriff von Pinal County in Arizona: Von einem Ex-Lover, einem gebürtigen Mexikaner, der unter dem Namen „José“ bekannt wurde, geoutet trat er vom Ko-Vorsitz des Unterstützungskomitees für den konservativen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zurück. Nun probiert er einen Befreiungsschlag und erklärt in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN seine Sicht der Dinge – und die ist über weite Strecken erstaunlich naiv.

Er und José haben sich über einen Zeitraum von drei Jahren immer wieder getroffen, erzählt er im Gespräch mit CNN-Anchor Wolf Blitzer. Dann habe José unentgeltlich begonnen, die sich um die Website und die Social Media Accounts des Sheriffs zu kümmern. Denn auch solche Posten werden in den USA gewählt, Wahlkampf und Wählerbetreuung sind dementsprechend wichtig. „Als unsere Kampagne dann gewachsen ist, haben wir das einem bezahlten Profi überlassen“, erinnert sich Babeu. „Und dann, sechs oder acht Monate später, hat er – weil er noch immer die Passwörter hatte – die Kontrolle über diese Informationen übernommen und begonnen zu twittern“, ist Babeu über das Verhalten seines Ex-Lovers erschüttert. Dann, so Babeu, begann José „sehr negative Sachen über mich zu posten und so zu tun, als wäre das ich.“ Warum die Passwörter über einen so langen Zeitraum nicht geändert wurden, verrät der Sheriff im CNN-Interview aber nicht.

Babeu macht auch klar, dass seine Anwälte José nicht mit der Ausweisung aus den USA bedroht hatten. Sie wollten lediglich, dass der Ex-Lover aufhörte, im Internet unter dem Namen des Sheriffs aufzutreten. Einige SMS, die José mittlerweile veröffentlicht hat, lassen aber Zweifel an dieser Aussage aufkommen.

Dass Babeu ausgerechnet jetzt von einem Ex-Lover geoutet wurde, hält er nicht für Zufall: „Über Jahre, alle Medien hier in Arizona, alle fünf Fernsehsender – meine Feinde“, bedient sich der Ex-Soldat einer auch bei uns nicht unbekannten Deutung.

Allerdings betont Babeu, dass sich seine politischen Ansichten als konservativer Republikaner und sein Leben als schwuler Mann nicht widersprechen. „Wir sind unterschiedlich in Amerika. Und wir zelebrieren diese Unterschiede. Und wir sehen das als Stärke, als Schönheit unseres Landes.“

Als Wolf Blitzer ihn nach seiner Meinung bei der Öffnung der Ehe für Lesben und Schwulen fragt, merkt man allerdings, dass zwei Herzen in seiner Brust zu schlagen scheinen. Er meint, dass es die Regierung akzeptieren müsse, wenn es Religionen und Konfessionen gebe, die gegen eine Ehe-Öffnung seien. „Gleichzeitig glaube ich nicht, dass sie anderen Konfessionen vorschreiben soll, dass sie es nicht können. (…) Und wenn es sonst niemanden verletzt, wen kümmert es? Und man kann Liebe nicht gesetzlich regeln“.