Kein Prinzgemahl mehr für Schützenkönig?

In Deutschland sollen schwule Schützenkönige zukünftig nicht mehr mit ihrem Partner an der Seite öffentlich auftreten dürfen. Der Bund der Historischen Schützenbruderschaften (BHDS) berät über einen Antrag, dass ein Schützenkönig in Zukunft keine gleichgeschlechtliche „Königin“ mehr erwählen darf. Dem BHDS gehören rund 300.000 Schützen aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen an.

Ein schwuler Schützenkönig aus Münster sorgte im Vorjahr für Aufregung: Dirk Winter hatte seinen Partner als „Schützenkönigin“ – in diesem Fall Prinzgemahl – ausgewählt. Doch was unter heterosexuellen Paaren selbstverständlich ist, sorgte in den katholischen Schützenbruderschaften für Diskussionen. Um einen Eklat zu vermeiden, einigten sich beide Seiten damals auf einen Kompromiss: Statt wie gewöhnlich neben dem König marschierte der Prinzgemahl bei offiziellen Veranstaltungen hinter seinem Partner.

Nun will der BHDS solche Situationen zukünftig vermeiden: Am Sonntag stimmt der Verband über einen Antrag der Schützenbruderschaften aus Paderborn und Münster ab, dass Schützenkönige nur noch „eine Begleitung des jeweils anderen Geschlechts wählen können“. Denn „ein Homo-Paar kann keine katholische Vereinigung repräsentieren“, sagt Ralf Heinrichs, Sprecher des Schützen-Dachverbandes. „Das ist von unser Historie her so, aber auch von unseren Wurzeln in der katholischen Kirche, das kann man nicht verkennen“, so Heinrichs weiter.

Dabei wolle man niemanden diskriminieren: „Es kann und soll auch zukünftig schwule Schützenkönige geben, aber dann bitte mit einer Königin an der Seite. Wir sind der Auffassung, dass das einfach zum traditionellen Rollenverständnis gehört“, so der Sprecher weiter.

Schwule Schützen sehen das anders. „Wir haben einen schwulen Außenminister, der wird akzeptiert mit seinem Lebenspartner, und als schwuler Schützenkönig muss ich mir eine Frau suchen als Repräsentantin – das finde ich nicht nur diskriminierend, das finde ich unverschämt“, ärgert sich Thorsten Driller von der Aidshilfe Paderborn, selbst Schütze, im Interview mit dem WDR.

Der Antrag der Schützen aus Münster und Paderborn wird am Sonntag bei der Bundesvertreterversammlung der Schützen in Leverkusen trotzdem angenommen werden – da ist sich Heinrichs sicher.

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