Sonntag, 21. Juli 2024
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Schützenbund gegen Homo-Paare

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Der katholische „Bund historischer deutscher Schützenbruderschaften“ (BHDS) will kein gleichgeschlechtliches Königs- oder Prinzenpaar mehr sehen. Das beschloss der Verein gestern bei der Bundesversammlung in Leverkusen.

„Das öffentliche Auftreten als gleichgeschlechtliches Königspaar oder Prinzenpaar ist mit der christlichen Tradition der Bruderschaften nicht vereinbar“, heißt es im entsprechenden Antrag der Schützen aus den Diözesen Paderborn und Münster. Und weiter: „Repräsentanten müssen durch ihr Auftreten zum Ausdruck bringen, dass sie die Grundsätze des christlichen Glaubens mittragen“. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen: 450 Mitglieder stimmten dafür, 28 sprachen sich dagegen aus, 18 Mitglieder enthielten sich der Stimme.

Die Ehe zwischen Mann und Frau besitze in den Augen der Schützen einen höheren Stellenwert als jede andere Form der Partnerschaft, so die Schützen. Allerdings betonte Rolf Nieborg, Sprecher des BHDS, dass auch Lesben und Schwule eine Heimat in katholischen Schützenvereinen hätten: „Homosexuelle haben bei uns alle Rechte und Pflichten. Uns geht es nur um die Außendarstellung“, beschwichtigt Nieborg. Trotzdem empfiehlt der Verband, dass sich ein schwuler Schützenkönig künftig von der Schwester oder einer Bekannten zu offiziellen Anlässen begleiten lässt. Der Lebensgefährte dürfe sich dem Begleittross zwar anschließen, aber nicht die Insignien der Königin tragen.

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Ausgelöst wurde die Debatte durch Dirk Winter, der im Vorjahr Schützenkönig der Bruderschaft St.-Wilhelmini-Kinderhaus wurde – und offen schwul lebt. Dass er, wie bei heterosexuellen Paaren üblich, seinen Lebenspartner als Prinzgemahl erwählt, hatte in katholischen Schützenkreisen für Aufregung gesorgt. Als Kompromiss war sein Partner damals nicht in der ersten Reihe mitmarschiert, sondern hinter dem Schützenkönig.

In einem ursprünglichen Antrag wollten der Verband seine homosexuellen Schützenkönige sogar zwingen, mit einer Frau an ihrer Seite öffentlich aufzutreten. Jetzt darf der Partner zumindest dahinter mitlaufen. Mit dieser neuen Regelung kann Winter leben. Sie bedeutet, dass er zwar König bleiben darf, aber repräsentativen Aufgaben entweder alleine oder mit einer „Ersatzfrau“ bestreitet: „Ich bin sehr froh, dass der ursprüngliche Antrag noch einmal umformuliert worden ist.“

Kritik am Beschluss des BHDS gibt es trotzdem. Denn was die Schützenbrüder als „traditionsbewusst“ und „fest im Glauben verankert“ bezeichnen, ist für andere „engstirnig“ und „rückwärtsgewandt“. „Wir diskriminieren keine Homosexuellen“, weist auch ein Sprecher des Schützenbundes die Kritik zurück: „Wir halten uns an unsere enge Bindung an die katholische Kirche“ – und damit an die „traditionelle Rolle von Mann und Frau“.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, sieht das anders. Für sie ist der Beschluss ein „Signal der Intoleranz“: „Ich finde es befremdlich, dass die Schützen schwule Königspaare nicht dulden wollen“. Für sie ist es nicht sicher, ob die geplante Satzungsänderung überhaupt mit dem Diskriminierungsverbot wegen sexueller Identität in Einklang zu bringen sei. Günther Dworek, Sprecher des deutschen Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), bescheinigt den Schützenbruderschaften einen „erschreckenden Mangel an menschlichem Respekt“.

Auch Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag, kritisiert den Beschluss als „hinterwäldlerisch“. Er gehöre „historisch gesehen auf den Misthaufen der Geschichte. Wir verlangen Respekt statt Vorurteile. Intoleranz und Diskriminierung sind keine schützenswerten Traditionen, auch nicht, wenn sie sich auf das Christentum berufen.“

Der 1925 gegründete Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zählt 400.000 Mitglieder aus 1300 Bruderschaften in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Thüringen. Eigenen Angaben zufolge ist es der größte traditionelle Schützen-Verband in Deutschland.